„Kampf zweier Weltanschauungen“

Foto: Deutsches Bundesarchiv. Bild 101I-020-1268-36

Vor achtzig Jahren: „Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion

Am 28. Dezember 1931 schrieb Trotzki: „Ein Sieg Hitlers bedeutet: Krieg gegen die UdSSR“ und: „An Stelle [der Regierung der Sowjetunion] würde ich, sobald ich die telegraphische Nachricht vom [Sieg Hitlers] erhielte, eine Teilmobilmachung anordnen. Steht man einem Todfeind gegenüber und ergibt sich der Krieg mit Notwendigkeit aus der Logik der realen Situation, so wäre es unverzeihlicher Leichtsinn, diesem Gegner Zeit zu lassen, sich festzusetzen und zu stärken, Bündnisse einzugehen, sich die nötige Hilfe zu verschaffen, einen umfassenden militärischen Angriffsplan – nicht nur für den Westen, sondern auch für den Osten – auszuarbeiten, und so eine ungeheure Gefahr wachsen zu lassen.“ Ein Jahrzehnt später marschiert das faschistische Deutschland in die Sowjetunion ein – und trifft die dortige Führung völlig unvorbereitet. Der Vernichtungskrieg beginnt. Und doch, wie durch ein Wunder, erreichte die russische Arbeiter*innenklasse das, womit kaum jemand gerechnet hatte: Sie hat die Nazis aus der Sowjetunion vertrieben und den entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Faschismus geleistet.

von Aleksandra Setsumei, Aachen

Bürgerliche Historiker*innen, Journalist*innen und Politiker*innen stellen Kriege gerne als Ergebnisse diplomatischer Patzer oder persönlicher Macken von Führungspersönlichkeiten dar. Damit verschleiern sie die wahren Gründe von Kriegen, die im Kapitalismus keine „Unfälle“, sondern die Regel sind. Sie sind Folgen von inneren Widersprüchen des Wirtschaftssystems, vom Konkurrenzkampf um Märkte, Rohstoffe und Arbeitskräfte einerseits zwar global operierender und sich ausdehnender Konzerne, die aber andererseits auf den Nationalstaat angewiesen sind, um ihre Interessen durchzusetzen.

Der Erste Weltkrieg markierte den Punkt, an welchem der Kapitalismus an die die Schranken des privaten Eigentums und des Nationalstaates geriet. Der deutsche Imperialismus strebte nach mehr Einfluss – und das konnte nur zur Konfrontation mit den anderen Mächten führen. Daraus resultierte eine Konkurrenz der kapitalistischen Großmächte auf dem Weltmarkt und schließlich ihr Aufeinanderprallen, der in Schützengräben ausgetragen wurde und 16 Millionen Menschen das Leben kostete. Aber das Ergebnis des Krieges war die Oktoberrevolution, die den Kapitalismus in Russland stürzte und die Existenz des gesamten Systems bedrohte. Es war die Russische Revolution und die ihr folgende revolutionäre Welle in Europa, die den Ersten Weltkrieg beendeten. Dies veranschaulicht, dass Krieg und Frieden nicht von Weltdiplomatie oder selbsternannten „Friedensorganisationen“ abhängen, sondern vielmehr von sozialen Kräften.

Genau wie der Erste Weltkrieg war der Zweite Weltkrieg ein Krieg um globale Macht. Die Rivalitäten zwischen den kapitalistischen Staaten hatten nicht abgenommen – im Gegenteil, sie hatten sich in den 1920ern und 1930ern verschärft. 1939 setzten Politiker*innen, Generäle und Kapitalist*innen den Krieg nach zwanzig Jahren fort. Die Grauen des Zweiten Weltkrieges stellen den des Ersten in den Schatten. Neue Technologien und Kriegsgeräte schufen eine neue Dimension von Zerstörung. Mindestens sechzig Millionen Menschen haben ihr Leben verloren, davon mehr als die Hälfte Zivilist*innen.

Aufstieg des Faschismus in Deutschland

Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ist tief verbunden mit dem deutschen Faschismus. Dieser war eine Bewegung, die in den 1920er Jahren Massenunterstützung gewann. Sein Aufstieg ist im Kontext der sozialen Situation zu erklären. Nach dem Ersten Weltkrieg lag die Wirtschaft Europas am Boden. Bereits 1929 setzte die brutale kapitalistische Weltwirtschaftskrise ein, die Arbeitslosigkeit stieg. Dies führte einerseits dazu, dass das bürgerliche System an Unterstützung verlor – revolutionäre Stimmung breitete sich unter den Arbeiter*innen aus. Gleichzeitig schufen die Krisen eine Schicht von deklassierten Ladenbesitzer*innen, Handwerker*innen und sonstigen Kleinbürger*innen, die ihr Eigentum und ihre Ersparnisse verloren hatten. Dieses Kleinbürgertum wurde zur Basis der faschistischen Bewegung.

Doch der Sieg des Faschismus in Deutschland war nur möglich, weil er durch die deutsche Bourgeoisie massiv gefördert wurde. Aus der Sicht der deutschen Herrschenden wurden die Probleme, die zum Ersten Weltkrieg geführt hatten, nicht gelöst. Der Krieg war ein Versuch gewesen, die Widersprüche zu lösen, aber das Ende war für die deutsche Bourgeoisie ein Fiasko und der Versailler Vertrag behinderte die weitere imperialistische Entwicklung. Gleichzeitig drohte die Unzufriedenheit der Arbeiter*innenklasse in eine Revolution umzuschlagen und so den gesamten deutschen Kapitalismus zu gefährden. Der Faschismus war Antwort auf beide Probleme: Durch Vernichtung der Arbeiter*innenbewegung sollte die Revolution erstickt werden, durch imperialistische Überfälle auf andere Länder sollten die Karten auf der Welt neu verteilt werden. Und so brachte das deutsche Kapital die Nazis an die Macht. Hitler flog in seinem Wahlkampf gesponsert durch die Lufthansa und bekam Spenden von Industriellen.

In dieser Situation war es die Aufgabe der Arbeiter*innenorganisation, vor allem der Massenparteien KPD und SPD, sich gegen die Nazis zur Wehr zu setzen. Doch sie haben die Gefahr, die von Faschist*innen ausging, unterschätzt. Statt gemeinsam gegen die Nazis vorzugehen, setzte die KPD die Sozialdemokratie mit Faschist*innen gleich. Die SPD wiederum hoffte auf die Wehrhaftigkeit der bürgerlichen Demokratie und bezeichnete die Kommunist*innen als „rotlackierte Faschisten“. Durch diese Politik wurde die Chance auf eine sozialistische Revolution verpasst und den Nazis ermöglicht, innerhalb von wenigen Monaten die deutsche Arbeiter*innenbewegung vollständig zu zerschlagen.

Feind Nummer Eins: die Arbeiter*innenbewegung

Die Faschist*innen setzten Sozialdemagogie und antikapitalistische Parolen ein, um sich als Vertreter*innen der „kleinen (deutschen) Menschen“ darzustellen. In Wirklichkeit ließen die Nazis aber die kapitalistische Gesellschaftsordnung unangetastet und ihr Programm widerspiegelte die Wünsche der Großindustrie. Der Hauptfeind der Nazis ist die organisierte Arbeiter*innenbewegung. Die ersten KZ-Häftlinge waren Sozialist*innen, Kommunist*innen und Gewerkschafter*innen. Alle Arbeiter*innenorganisationen wurden zerschlagen: allen voran die Arbeiter*innenparteien SPD, SAP und KPD, gleich danach die Gewerkschaften und schließlich selbst Arbeiter*innensportvereine. Dies schuf die Grundlage für intensivere Ausbeutung der deutschen Arbeiter*innenklasse. Und nur so war der kommende Krieg und der industrielle Massenmord an der jüdischen Bevölkerung durchführbar.

Die Feindschaft gegen die Arbeiter*innenbewegung und den Kommunismus endete nicht an Staatsgrenzen, denn das größte Symbol der Arbeiter*innendemokratie war die Sowjetunion, die durch die Oktoberrevolution erkämpft wurde. Deshalb war der Krieg gegen die Sowjetunion und die Eroberung des „Lebensraums“ im Osten immer ein Kern der faschistischen Agenda. Bereits in Hitlers „Mein Kampf“ wurden die ersten Ideen der Zerschlagung der Sowjetunion formuliert. Im März 1941 stellte Hitler seine Überzeugung dar: „Dieser kommende Feldzug ist mehr als nur ein Kampf der Waffen; er führt auch zur Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen. […] Die jüdisch-bolschewistische Intelligenz, als bisheriger Unterdrücker des Volkes, muss beseitigt werden.”

Der degenerierte Arbeiter*innenstaat

Ironischerweise zogen die Nazis in den Krieg gegen das Symbol der Arbeiter*innendemokratie als die progressiven, demokratischen Rechte in der Räterepublik bereits abgebaut worden waren.

Die Sowjetunion entstand nach der erfolgreichen sozialistischen Revolution 1917. Die kriegsmüde Arbeiter*innenklasse und Bauernschaft stürzte das unterdrückerische Zaren- und Kapitalistensystem. An seiner Stelle trat die Rätedemokratie. Die durch Lenin und Trotzki geführte bolschewistische Partei gewann das Vertrauen der Arbeiter*innen und der Bäuerinnen und Bauern und gewann die Mehrheit in den Räten. Dort hat sie ihr revolutionär-sozialistisches Programm umgesetzt: der Krieg wurde beendet, das Land wurde an die Bäuerinnen und Bauern verteilt, die Produktionsmittel wurden in staatliches Eigentum überführt und dieVölker des Zarenreiches erhielten ein Recht auf Selbstbestimmung.

Die Sowjetunion war ein Symbol der Arbeiter*innendemokratie, weil sie der erste Staat mit Ausnahme der 72-tägigen Pariser Kommune war, in dem nicht eine kleine, reiche Minderheit über die Mehrheit herrschte, sondern in dem die Mehrheit selbst über ihr Schicksal entschied. Anfangs war es das demokratischste System in der Geschichte, in dem alle Arbeitenden unabhängig des Geschlechts und der Nationalität ein gleiches Wahlrecht hatten, in dem die Gewählten keinerlei Privilegien hatten und stets rechenschaftspflichtig und abwählbar waren.

Doch der junge Sowjetstaat war schon bald in den Kampf ums Überleben geworfen worden: Von außen griffen Interventionsarmeen aus 14 kapitalistischen Ländern an, um die Räterepublik zu vernichten; im Inneren rekrutierten zaristische Generäle konterrevolutionäre Armeen gegen die neue Ordnung. Nur durch immense Opfer konnten die Revolutionär*innen ihren Arbeiter*innenstaat verteidigen. Doch damit waren ihre Probleme nicht gelöst. Die erwartete internationale Revolution war ausgeblieben, die Sowjetunion war isoliert geblieben. Die Industrie war durch vier Jahre Krieg und drei Jahre Bürgerkrieg dezimiert. Es herrschten Mangel, Hunger, Epidemien und Erschöpfung. In dieser Zeit entwickelte sich in der Sowjetunion eine privilegierte Schicht von Bürokrat*innen unter der Führung von Stalin, die sich über die Arbeiter*innenklasse erhob und die politische Macht übernahm.

Die Bürokratie tastete die soziale Ordnung nicht an – die Produktionsmittel blieben im staatlichen Eigentum, die Sowjetunion verblieb ein nicht kapitalistischer Staat. Doch die Bürokratie sorgte dafür, dass die demokratischen Elemente systematisch abgebaut wurden. Die Wähl- und Abwählbarkeit der Funktionär*innen wurde durch eine Top-Down-Hierarchie ersetzt. Statt der demokratischen, bedürfnisorientierten Planwirtschaft wurden unseriöse, bürokratische Pläne umgesetzt. Der Repressionsapparat wurde ausgebaut. Die Sowjetunion war von einer Demokratie der Arbeiter*innenklasse zu einer Diktatur über die Arbeiter*innenklasse geworden.

Aber das spielte für die Herrschenden weltweit keine Rolle, denn die Sowjetunion lebte als Zeichen einer nicht kapitalistischen Gesellschaft und war damit eine Gefahr für den Weltkapitalismus. Deshalb musste sie aus Sicht der Nazis zerschlagen werden – zum Beifall der imperialistischen Länder.

Das deutsch-sowjetische Bündnis

Vor dem Hintergrund der natürlichen Feindschaft zwischen dem Arbeiter*innenstaat und dem Faschismus scheint der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt wie ein absurder Widerspruch, der nur durch die Analyse der verwirrten Bedürfnisse und Interessen der regierenden Kaste Russlands erklärt werden kann. Die Sowjetunion war auf sozialen Widersprüchen aufgebaut und die bürokratische Clique um Stalin tat alles, damit es so blieb. Stalin befürchtete, dass im Falle eines Krieges die Widersprüche sich verschärfen und soziale Konflikte ausbrechen würden. Das wäre ein Ende der stalinistischen Herrschaft – und das wollte kein*e Bürokrat*in.

Die Außenpolitik der Sowjetunion widerspiegelte das Interesse der Bürokratie, den Krieg zu vermeiden – mit jedem noch so hoffnungslosen Mittel. Nachdem die Nazis die Macht in Deutschland erlangt hatten, bemühte sich Stalin um ein Bündnis mit den kapitalistischen Staaten Frankreich und Großbritannien. Doch als die Kriegsgefahr wuchs, wuchs auch der Wunsch nach einem Bündnis mit Hitler – ein verzweifelter Versuch, den Einmarsch zu verzögern. Die Faschist*innen erkannten den Wert eines Bündnisses mit der Sowjetunion. Sie wolten so einen Zwei-Fronten-Krieg vermeiden und sich gleichzeitig mit kriegswichtigen Ressourcen aus der Sowjetunion eindecken.

Und so kam es, dass am 23. August der deutsche Reichsaußenminister Ribbentrop mit allen Ehren in Moskau empfangen wurde – mit rotem Teppich und Hakenkreuzfahne. Die natürliche Feindschaft zwischen dem Kommunismus und Faschismus war wie vergessen. Stalin sprach von Hitler: „Ich weiß, wie sehr das deutsche Volk seinen Führer liebt, ich möchte deshalb auf seine Gesundheit trinken.“ Was für eine Beleidigung für die deutschen Sozialist*innen und Kommunist*innen, die von den Nazis verschleppt, gefoltert, ermordet oder in KZs zu brutaler Arbeit gezwungen wurden!

Der Pakt wurde noch in der selben Nacht unterzeichnet. Das geheime Zusatzprotokoll beinhaltete die Aufteilung Polens und weiterer Staaten unter Deutschland und der UdSSR. Bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1941 exportierte die Sowjetunion Rohstoffe nach Deutschland.

Dass damit die Gefahr des Angriffes von deutscher Seite nicht gebannt war, musste allen klar sein. Und doch wurde die „deutsch-russische Freundschaft“ zur Staatsdoktrin der Sowjetunion. Während die Nazis den Überfall auf die Sowjetunion planten, ignorierte Stalin die Informationen seiner Spione und deutscher Whistleblower. Diejenigen, die weiterhin von einem kommenden deutschen Einmarsch warnten, wurden als Staatsfeinde diffamiert, die die Freundschaft zwischen den Völkern bedrohen würden. Die Unterlassung jeder Vorbereitung auf eine baldige Invasion hat sicherlich zu den vermeidbar hohen Verlusten in den ersten Wochen des Einmarsches beigetragen.

In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 1941 lief der Kolberger Feldwebel Alfred Liskow in eine russischen Patrouille. Er war desertiert und hatte den Bug, der die deutsch-russische Grenze markierte, durchschwommen, um die Rote Armee über den in Stunden bevorstehenden Angriff zu informieren. Es war die letzte Warnung, die letzte Möglichkeit, sich auf den Einmarsch vorzubereiten. Und tatsächlich gab der Bericht den letzten Anstoß für halbherzige Maßnahmen: Den Truppen wurde befohlen, Stellung zu beziehen und sich zu tarnen. Viele Einheiten erreichte diese Meldung nicht rechtzeitig.

Der Krieg beginnt

Wenige Stunden später rollten 7000 Geschütze und 3580 Panzer über die 3000 Kilometer lange Grenze. Der größte Aufmarsch aller Zeiten hatte begonnen. Drei Millionen deutsche und 600.000 finnische, slowakische, ungarische und rumänische Soldaten gedeckt von .700 Flugzeugen setzten sich in Marsch gegen die Sowjetunion.

Der Plan der Nazis sah vor, das größte Land der Welt in wenigen Wochen zu erobern. Die Grundlage für das ehrgeizige Ziel war das neue Selbstbewusstsein, nachdem die Wehrmacht das mächtige Frankreich in wenigen Wochen besiegt hatte, und der desaströse Zustand der sowjetischen Armee. Die Schuld dafür trug größtenteils Stalin, der darauf bedacht war, die eigene Herrschaft durch systematische Repressionen zu sichern. Die Opfer seiner Säuberungen waren in erster Linie alte revolutionäre Kader*innen – gleich gefolgt von Wissenschaftler*innen, Ingenieur*innen, Industriedirektor*innen und Offizieren und Generälen der Roten Armee. Während des „großen Terrors“ 1937 und 1938 wurden über 30.000 militärische Führungskräfte verhaftet. Durch Vernichtung der obersten und fähigsten Befehlshaber wurde die oberste Führung ausgetauscht. Durch Entlassung, Verschleppung oder Verhaftung von zehntausenden Kommandeuren wurde die mittlere Führungsebene weitgehend ausgelöscht. Die Rote Armee war enthauptet.

Vor diesem Hintergrund war es nicht überraschend, dass die Wehrmacht in den ersten Tagen des Aufmarsches große Erfolge verzeichnen konnte. Am ersten Tag des Angriffs konnte die deutsche Armee sechzig Kilometer tief in das Land vordringen und 1200 Flugzeuge, ein Viertel der sowjetischen Luftflotte, zerstören. Hunderttausende Rotarmisten wurden in den ersten Tagen des Krieges gefangengenommen. Es sah so aus, als ob einem schnellen Sieg nichts mehr im Wege stehen würde. Anfang Juli ging Berlin davon aus, dass der Feldzug bereits gewonnen sei.

Gleich mit dem Einmarsch begann der Terror, den die Wehrmacht, die SS und die „Sonderkommandos“, die speziell für den Völkermord erstellt wurden, über die besetzten Gebiete verbreiteten. Die Planung beinhaltete, dass die Versorgung der Armee durch Plünderung des Landes sichergestellt wird; der Hungertod von zig Millionen Zivilist*innen war einkalkuliert. In den eroberten Gebieten führen die Faschist*innen ihren „Rassenkrieg“ in Form eines Massenmordes an der jüdischen Bevölkerung und anderer Minderheiten aus. In einem der größten Gemetzel wurden in Babi Jar, einem Tal am Kiew, innerhalb von zwei Tagen 33.771 jüdische Menschen von der SS, der Polizei und der lokalen faschistischen Miliz erschossen.

Besonders im Visier der Nazis standen nicht nur die jüdische Bevölkerung, sondern auch diejenigen, die für die Nazis als Bolschewist*innen galten. Das Ziel des Angriffes war die „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und der kommunistischen Intelligenz“. In „Anordnung für die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangenen in allen Kriegsgefangenenlagern“ vom 8. September 1941 heißt es: „Der Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozialistischen Deutschland. Zum ersten Male steht dem deutschen Soldaten ein nicht nur soldatisch, sondern auch politisch, im Sinne des Völker zerstörenden Bolschewismus, geschulter Gegner gegenüber. […] Dadurch hat der bolschewistische Soldat jeden Anspruch auf Behandlung als ehrenhafter Soldat und nach dem Genfer Abkommen verloren.“ Mehr noch, in den „Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare“ wird festgelegt, dass jede „Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme“ ihnen gegenüber falsch sei und sie „grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen“ seien. Die Wehrmacht ging entsprechend mit den sowjetischen Kriegsgefangenen um. Die Verpflegung war nicht sichergestellt; die Rationen gering – gleichzeitig war vorgesehen, dass die Rotarmist*innen schwere körperliche Arbeit verrichteten, ein Mord auf Raten. Von den 5,7 Millionen russischen Kriegsgefangenen starben 3,3 Millionen an Hunger, Erschöpfung oder wurden erschossen.

Bürokratie verhindert Verteidigung

Es war nicht etwa die stalinistische Clique, die die Sowjetunion durch eine brillante militärische Strategie aus den Klauen der Nazis befreite. Im Gegenteil – die Bürokratie behinderte durch ihre Unfähigkeit, Trägheit und Verschwendung eine effektive Verteidigung. Die beschriebenen Säuberungen der Roten Armee, die kein anderes Ziel hatten, als die Herrschaft von Stalins Clique zu sichern, waren nur der Beginn. Am ersten Tag des Angriffs weigerte sich Stalin trotz Meldungen von der Front, anzuerkennen, dass die Faschist*innen einen Krieg gegen die Sowjetunion führten. Als der Krieg offiziell erklärt wurde, verschwand Stalin aus der Öffentlichkeit. Und er war nicht der Einzige: Im gesamten Lande packten Bürokrat*innen ihre Koffer und fuhren in ihren Limousinen gen Osten in vermeintliche Sicherheit.

Erst am elften Tag des Einmarsches tauchte Stalin wieder auf und hielt eine Funkrede mit dem Appell an die Bevölkerung: „In jeder Stadt, der die Gefahr eines feindlichen Überfalls droht, müssen wir eine derartige Volkswehr schaffen, müssen wir alle Werktätigen zum Kampf mobilisieren, um in unserem vaterländischen Krieg gegen den deutschen Faschismus unsere Freiheit, unsere Ehre, unsere Heimat unter Einsatz unseres Lebens zu verteidigen.“ Es war ein Aufruf zum „vaterländischen Krieg“, ein Aufruf an den Nationalismus – in jeder stalinistischen Handlung wird der grundsätzliche Gegensatz zwischen der Bürokratie und den Bolschewist*innen deutlich, die während des Bürgerkriegs den Aufruf zum revolutionären Kampf gegen die Konterrevolution an die internationale Arbeiter*innenklasse richteten.

An den Fronten kämpften Rotarmist*innen tapfer weiter, doch die militärische Unfähigkeit der herrschenden Kaste erschwerte die Verteidigung. „Um jeden Preis halten“ – war die Strategie der Stalinist*innen. Den Truppen wurde verboten, sich zurückzuziehen. Wer auch nur ein wenig Kenntnis über die im Zweiten Weltkrieg angewendete militärische Strategie besitzt, weiß wie wichtig die Taktik der Einkesselung war, bei der die feindlichen Truppen umschlossen und zerrieben wurden. Dieses Schicksal traf unzählige Rotarmist*innen, die in aussichtslosen Positionen verharrten, statt sich zurückzuziehen.

Arbeiter*innenklasse wendet das Blatt

Aber die Sowjetunion war nicht Frankreich, das die Nazis in wenigen Wochen erobern konnten. Sie war kein kapitalistisches Land. Sie war der erste erkämpfte Arbeiter*innenstaat, den die Arbeiter*innenklasse und die Bauernschaft mit Schweiß und Blut aufgebaut hatten. Sie würden ihn nicht aufgeben. Die Eindringlinge waren eine Armee der Konterrevolution, die das Ziel der Einführung des Privateigentums an den Produktionsmitteln hatte. Es war in der Tat ein Kampf zweier Weltanschauungen, ein Kampf zwischen dem Kapitalismus und dem Sozialismus. Des Weiteren führte die Furcht vor der faschistischen Diktatur, den ethnischen Säuberungen und Angriffen auf die Arbeiter*innenrechte zu einer breiten Unterstützung für den bewaffneten Kampf.

Der Widerstand der Roten Armee und der Zivilbevölkerung war heroisch. Schon bald wurde klar, dass die Moral der sowjetischen Soldat*innen sehr viel höher war als die der Deutschen, von denen Viele einfach nach Hause wollten. Die Zivilbevölkerung kämpfte mit. Zur Sicherung der Besetzung brauchten die Faschist*innen lokale Kollaborateure, die sie nur schwer finden konnten. Stattdessen waren deutsche Soldaten mit dem Partisanenkampf konfrontiert. Die immense Opferbereitschaft der russischen Massen war der erste Grund für den Sieg über den Faschismus.

Der zweite Grund war die sowjetische Planwirtschaft, die trotz der Verschwendung und der Ineffektivität durch die Bürokratisierung dennoch die überlegene Wirtschaftsform war. Als die Faschist*innen in die Industrieanlagen der Ukraine vorgedrungen waren, fanden sie dort leere Produktionshallen. Die russischen Arbeiter*innen hatten die Fabriken in einem unvorstellbaren Kraftakt auseinandergenommen und weit von der Front wieder aufgebaut. 2500 Fabriken wurden durch die Arbeiter*innenklasse verlegt und bald produktionsfähig gemacht.

Und so konnte die Sowjetunion die wütende SS und den Vormarsch der Wehrmacht zum Stehen bringen. Schon bald brach die Logistik der Wehrmacht zusammen; die Armee litt unter Engpässen und Treibstoffmangel. Mit der Niederlage der sechsten Armee in Stalingrad 1943 erreichte der Zweite Weltkrieg seinen Wendepunkt und der Niedergang der Nazis begann. In der Sommeroffensive 1944 drängte die Rote Armee deutsche Streitkräfte bis an die Reichsgrenzen zurück.

Der opfervolle Sieg

Die Sowjetunion leistete den größten Beitrag zum Sieg gegen den Faschismus. Das darf nicht vergessen werden. In diesem Kampf haben 27 Millionen Sowjetbürger*innen ihr Leben gegeben – davon 14 Millionen Zivilist*innen. Damit trug die Sowjetunion die Hauptlast des Krieges. Neunzig Prozent der gefallenen Wehrmachtsoldaten sind an der Ostfront gestorben.

Und doch denken heute mehr Amerikaner*innen, Französ*innen und Deutsche, dass die USA den Sieg gegen die Nazis erkämpft hat. Dies hängt mit der bürgerlichen Geschichtsschreibung zusammen, die den Zweiten Weltkrieg als den Krieg von „Demokratien“ gegen den Faschismus darstellt und die Rolle der USA als „Retterin von Europa“ propagiert. Dabei trat die USA erst dann entschieden in den Krieg ein, als klar war, dass die Sowjetunion den Krieg gewinnen würde. Wie solche Propaganda wirkt, kann besonders gut in Frankreich nachverfolgt werden. Auf die Frage, welche Nation (außer der französischen) den größten Beitrag zur Niederlage des faschistischen Deutschlands geleistet hatte, antworteten 1945 noch 57 Prozent der Französ*innen: die Sowjetunion. 1994 waren es nur noch 25 Prozent, während 49 Prozent den USA den Sieg zuschrieben. 2015 standen die Zahlen in Frankreich bei 23 Prozent für die Sowjetunion und 54 Prozent für die USA.

Westliche Welt und der Faschismus

Bürgerliche Historiker*innen stellen oft den Zweiten Weltkrieg als einen Kampf von demokratischen Staaten gegen die moralisch verdorbenen Nazis dar. Es sei ein Krieg für Demokratie gewesen, die die Alliierten schließlich Deutschland und anderen Ländern gebracht hätten. Dabei verschweigen sie das wahre Verhältnis der westlichen Mächte zum Faschismus. Der Zweite Weltkrieg war kein Krieg für Demokratie, sondern ein Krieg für Einfluss, Märkte und schließlich Profite.

Trotzki schrieb 1934 als die Kriegsgefahr bereits über Europa hing: „Ein moderner Krieg zwischen Großmächten ist kein Aufeinanderprallen von Demokratie und Faschismus, sondern der Kampf zweier Imperialismen zur Neuaufteilung der Welt.“ Die Geschichte gab dem Recht. Die kapitalistischen „Antifaschist*innen“ schauten zu als die Nazis die deutsche Arbeiter*innenbewegung zerschlugen und eine Terrorherrschaft errichteten – für die Niederschlagung der potenziellen Revolution erntete Hitler sogar Sympathien aus dem Ausland. Denn die bürgerlichen „Demokratien“ waren keine Antifaschist*innen – sie verfolgten ihre eigenen Interessen. Im Übrigen wurde die Nazi-Herrschaft zu einer kapitalistischen Profitgrube: Mehrere westliche Konzerne konnten ihre Gewinne in Deutschland und sogar in Zusammenarbeit mit den Faschist*innen ausbauen.

Vor dem September 1939 opponierte keine der westlichen „Demokratien“ aktiv gegen die Nazis. Mit ihrer Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) nahmen sie immer aggressivere Vorstöße der Nazis hin: Aufrüstung gegen den Versailler Vertrag, die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes, Annektierung Österreichs, Annektierung von Teilen der Tschechoslowakei. Hinter dieser Politik steckte die Überzeugung, dass nicht der Faschismus, sondern der Kommunismus die größere Gefahr für den Kapitalismus darstellt. Sicherlich hofften viele westliche Herrschende, dass die Nazis sich auf die Eroberung und Zerschlagung der Sowjetunion fokussieren würden.

Erst als die Nazis zu einer direkten Bedrohung für die USA und Großbritannien wurden, wurden diese Imperialist*innen zu glühenden “Antifaschist*innen” – nicht aus prinzipieller Feindschaft gegen den Faschismus, sondern aus Angst vor einer konkurrierenden Wirtschaftsmacht. Erst als klar war, dass die Nazis nicht nur die UdSSR, sondern auch Frankreich, Belgien und die Niederlande im Visier haben, mussten die westlichen Staaten eingreifen – aber auch dann erst nur halbherzig in der Hoffnung, dass sich das „Dritte Reich“ und die Sowjetunion gegenseitig aufreiben würden. Die Geschäfte liefen weiter, im Juli 1941 machte das Öl aus den USA 44 Prozent der deutschen Ölimporte aus.

Der entschiedene Eingriff in den Krieg gegen Deutschland von Seiten der westlichen „Demokratien“ kam sehr spät und erst als klar abzusehen war, dass die Rote Armee siegreich aus der Auseinandersetzung hervorgehen würde – sicherlich waren die kapitalistischen Herrschenden glücklich darüber, dass gerade die Sowjetunion die Hauptlast des Krieges tragen musste. Und doch konnten sie nicht zulassen, dass die Sowjets im Alleingang das „Dritte Reich“ niederringen und so viel zu tief nach Westeuropa vordringen würden. Und so kam der D-Day und die Invasion der Alliierten in der Normandie 1944, die schließlich zur Besetzung von Deutschland vom Westen führten. Dies verdeutlicht, dass es den westlichen Alliierten in ihrem Kampf gegen Hitler-Deutschland vor allem auch darum ging, den Einfluss der Sowjetunion zu begrenzen.

In ihrer Kriegsführung verfolgten die Alliierten das Ziel: Kapitalismus aufrechterhalten und den eigenen Einfluss sichern. Dies erklärt, weshalb sie zu verbrecherischen Methoden wie Massenbombardements von deutschen Städten gegriffen haben: Da der Niedergang der Nazis absehbar war, wollten sie den Wiederaufbau der Arbeiter*innenbewegung und das Aufflammen revolutionärer Stimmung hemmen. Deshalb konzentrierten sich die Angriffe auf Arbeiter*innenviertel, um die dort lebenden Zivilist*innen einzuschüchtern und zu demoralisieren. Allein in Dresden sind 25.000 Menschen durch die Bomben der Alliierten getötet worden. Was sagt es über die Kriegspartei aus, wenn ihre Armee Brandbomben gegen die Zivilbevölkerung im Namen des Kampfes gegen die verbrecherischen Nazis einsetzt, aber nicht die Rampen von Auschwitz zerstört, um den von Faschist*innen begangenen Massenmord zu behindern?

Verratene Hoffnungen

Der Stalinismus ist international aus dem Krieg gestärkt hervorgegangen. Die Sowjetunion als einzige antifaschistische Kraft hat Europa vom Joch der Nazis befreit. Und doch war es nicht nur Befreiung, die die Rote Armee brachte. In vielen Gebieten hatte sich noch vor der Vertreibung der Nazis antifaschistischer Widerstand formiert – selbstorganisiert und oft bestehend aus revolutionären Arbeiter*innen. In Deutschland und Teilen von Europa war eine sozialistische Stimmung weit verbreitet. Die Hoffnungen auf ein Ende der Unterdrückung, auf Unabhängigkeit und Sozialismus waren groß. Doch diese Wünsche sind unerfüllt geblieben, denn Stalin und seine Bürokratie hatten andere Interessen.

Die Stalinist*innen wollten weiterhin nichts Anderes, als ihre Macht aufrechtzuerhalten. Sie wollten ganz sicher keine Revolutionen, keine echten Arbeiter*innendemokratien – denn diese könnten die stalinistische Herrschaft infrage stellen und bedrohen. Aus denselben Gründen konnten sie keine Selbstorganisation oder unkontrollierbare Initiativen von unten dulden. Deshalb lösten die Stalinist*innen die antifaschistischen Widerstandsgruppen in den „befreiten“ Gebieten auf oder ließen sie gar von Nazis vernichten, wie es 1944 in Warschau geschah. Dort fand vor dem Hintergrund der vorstoßenden Roten Armee ein Aufstand der polnischen nationalistischen „Heimatarmee“ statt. Die Rote Armee griff nicht ein und wartete, bis der Aufstand von den Faschist*innen blutig niedergeschlagen wurde, erst dann vertrieben sie die Nazis aus der Stadt – zu groß war die Angst vor dem neu gefassten Selbstvertrauen der Revoltierenden, sollte ihr Aufstand siegreich sein. Stattdessen wurden die Aufständischen von Nazis vernichtet, so dass sie auch später keine Probleme machen konnten.

Trotz der Angst vor der Revolution war die stalinistische Kaste gezwungen, in den einverleibten Gebieten die wirtschaftlichen Strukturen nach dem Vorbild der Sowjetunion zu verändern, um sie verwalten zu können. Die Produktionsmittel wurden in Gemeineigentum überführt – nicht durch revolutionäre Arbeiter*innen, sondern durch die militärische Macht der sowjetischen Bürokratie. Im Gegensatz zur UdSSR, die als eine gesunde Arbeiter*innendemokratie aus der Revolution hervorging und im Nachhinein degenerierte, wurden die DDR, die Volksrepublik Polen und weitere stalinistische „Satelliten-Staaten“ von Beginn an als bürokratische Diktaturen erbaut.

Ein weiteres Anliegen der stalinistischen Clique war die Vermeidung des Krieges mit den Westmächten. Stalin setzte alles für die Aufrechterhaltung seines Bündnisses mit Frankreich und Großbritannien ein. Auf diesem Altar sind unzählige Revolutionär*innen geopfert worden. Der größte Verrat erfolgte an Griechenland. Die Nazis wurden bereits im Sommer 1944 aus Griechenland vertrieben. Die bewaffnete Arbeiter*innenklasse entschied, dass sie nicht mehr unter dem Kapitalismus leben wollte und kämpfte gegen die kapitalistische Regierung. Bis 1949 schlugen 80.000 britische Soldaten die kommunistischen Aufständischen nieder. Die Sowjetunion reagierte nicht – Stalin hatte Griechenland Großbritannien versprochen. Die berühmte Stalinnote zeigt, dass Stalin auch bereit war, auf dem Gebiet der DDR kapitalistische Verhältnisse zu akzeptieren, unter der Bedingung, ganz Deutschland zu einer neutralen und entmilitarisierten Zone zu machen. Darauf ging der Westen nicht ein. Für ihn galt in Konrad Adenauers Worten: „Besser das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb.“

Gegen Krieg und Faschismus – heißt gegen den Kapitalismus

Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und der Sowjetunion enthält viele wichtige Lehren für die Arbeiter*innenklasse, von denen hier nur wenige genannt werden können. Die erste ist das Wesen des Faschismus: Egal welcher sozialen Phrasen sie sich bedienen, dienen Faschist*innen dem Kapital. Sie sind gefährliche Feind*innen der Arbeiter*innenklasse und müssen von ihr aktiv bekämpft werden. Gleichzeitig zeigt der Umgang der Alliierten mit den Nazis, dass die Bürgerlichen und ihre staatlichen Institutionen keine verlässlichen Kampfverbündeten gegen den Faschismus sind. Im Gegenteil – die Politik der Kapitalist*innen und die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus schaffen die Basis für den Faschismus. Deshalb muss der Kampf gegen den Faschismus immer ein Kampf gegen den Kapitalismus sein.

Die zweite Lehre sind die Ursachen für Kriege, die im Kapitalismus immer Profit- und Machtbestrebungen sind. Da der Kampf um Profite ein immanenter Teil des Kapitalismus ist, wird Krieg auch immer ein Teil davon sein. Die Widersprüche, die zum Zweiten Weltkrieg führen, existieren heute weiterhin und verschärfen sich. Die Rüstungsausgaben der Staaten wachsen und die Spannungen zwischen den imperialistischen Ländern nehmen zu. Trotz der Existenz der Atomwaffen, die eine direkte Konfrontation zwischen den imperialistischen Mächten zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich machen, finden vermehrt militärische Konflikte in anderen Teilen der Welt statt. Um Kriege zu verhindern, steht die Arbeiter*innenklasse vor der Notwendigkeit, die herrschenden Kriegstreiber*innen zu entwaffnen.

Und schließlich die dritte Lehre betrifft die Notwendigkeit der demokratischen Gestaltung eines Arbeiter*innenstaates. Die aberwitzigen und absurden Entscheidungen der sowjetischen Bürokratie, die nicht dem russischen Volk, sondern in erster Linie sich selbst diente, waren eine Folge der fehlenden demokratischen Elemente in der Sowjetunion. Ein Arbeiter*innenstaat benötigt Selbstverwaltung, Rechenschaftspflicht, Wähl- und Abwählbarkeit der Funktionär*innen sowie keine Privilegien für Funktionsträger*innen. Bewaffnet mit diesen Ideen kann die Arbeiter*innen für eine Welt kämpfen, in der es keinen Krieg und keine Armut gibt, für eine sozialistische Welt.

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