Wie weiter gegen Arbeitsplatzvernichtung?
Um die 2.500 Kolleg*innen folgten dem Aufruf der IG Metall (IGM) Ludwigsburg gegen die Schließung des Bosch-Werkes in Waiblingen. Gemeinsam hinter einem Banner mit der Aufschrift „Bosch Waiblingen #kampfbereit“ marschierte die Frühschicht des Geschäftsbereichs „Power Solutions“ geschlossen aus dem Werk und versammelte sich mit einem Demozug aus Delegationen aus Bosch-Werken in Baden-Württemberg, Bayern und dem 500 km entfernten Hildesheim. Hinzu kamen Delegationen von Vertrauensleuten u.a. aus den Mercedes-Werken Untertürkheim und Sindelfingen.
von Ursel Beck, aktiv im Metallertreff Stuttgart
Bosch ist mit 418.000 Beschäftigten der weltweit größte Autozulieferer und betreibt inzwischen die größte Arbeitsplatzvernichtung seiner Geschichte. Ziel ist die Erhöhung der Rendite auf 7 Prozent. Ständig wird die Zahl der zu vernichtenden Arbeitsplätze erhöht. Allein bei der Autosparte summiert sich die Zahl der Stellen, die bis 2030 wegfallen sollen, auf 22.000. Zur Angst um den Arbeitsplatz kommen für inzwischen 11.000 Beschäftigte Lohneinbußen von bis zu 14 Prozent durch Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnverlust.

IGM stimmt Arbeitsplatzabbau zu
In den letzten Jahren gab es in Boschbetrieben eine Betriebsvereinbarung nach der anderen. Mit dem Argument der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit wurde wiederholt von Betriebsräten und der IGM der Abbau von Arbeitsplätzen vereinbart. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen wurde von ihnen benutzt, um eine Niederlage in einen Erfolg umzudeuten, selbst wenn wie in Bietigheim 2021 ein komplettes Werk geschlossen wurde. Angeblich sollte der Arbeitsplatzabbau dazu dienen, die restlichen Arbeitsplätze zu sichern. Das Gegenteil ist der Fall. In Bremen, Bietigheim und München wurden ganze Werke geschlossen.
Kampf im Boschwerk Waiblingen – ein Wendepunkt?
„Wenn Bosch nicht einlenkt, dann werden wir das Werk in Waiblingen 24/7 dichtmachen“, so der Betriebsratsvorsitzende von Bosch-Waiblingen, Stefano Mazzei, bei der Kundgebung am 24.11. unter tosendem Beifall. Vertrauenskörperleiter, Peter Müller, erklärte, dass die Belegschaft zu 90 Prozent organisiert sei und der Erfolg des Kampfes möglich sei und „von hier aus der Anfang gemacht werden könnte, die Gier der Bosse zurückzuschlagen“. Auch dafür gab es riesigen Applaus. Tatsächlich könnte ein entschlossener Kampf einer Belegschaft einen Wendepunkt im Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung einleiten. In den 80er Jahren kam es zu 13 Betriebsbesetzungen u.a. bei der Firma Arendt in der Verwaltungsstelle Ludwigsburg. Zentrale Rollen dabei spielten kämpferische Vertrauensleute und Betriebsräte. Der Protesttag vor dem Bosch-Werk am 24.11. hat gezeigt, dass die Boschler sich auf die Solidarität ihrer Kolleg*innen in anderen Betrieben verlassen können. Auch auf die Unterstützung der Waiblinger Bevölkerung, die von dem Werk lebt und von kommunalen Kürzungen aufgrund von Gewerbesteuerausfällen gebeutelt wird, kann die Bosch-Belegschaft setzen. Die beste Solidarität ist, wenn sich alle anderen von Arbeitsplatzabbau betroffenen Belegschaften dem Kampf anschließen. Bei den vielen Bosch-Werken in Baden-Württemberg und den vielen anderen Betrieben, in denen Arbeitsplätze vernichtet werden, könnte das einen Flächenbrand betrieblicher Kämpfe auslösen, der dringend notwendig ist, um die Kapitalist*innen in ihre Schranken zu weisen und ihnen ihre Kontrolle über die Betriebe streitig zu machen. Mit der Verzichtslogik muss Schluss sein. In Vertrauenskörpern, Mitglieder-, Delegierten- und Betriebsversammlungen sollten demokratisch Forderungen und eine Kampfstrategie gegen Arbeitsplatzvernichtung und die kapitalistische Logik diskutiert und entschieden werden. Das in der IGM-Satzung unter § 2, Abs. 4 festgeschriebene Ziel der „Überführung von Schlüssel- und anderen marktbeherrschenden Unternehmen in Gemeineigentum“ sollte dabei eine zentrale Rolle spielen. Kolleg*innen, kämpferische Vertrauensleute und Betriebsräte in anderen Betrieben sollten diskutieren, wie sie den Kampf um ihre Arbeitsplätze aufnehmen. Gleichzeitig sollten IGM-Mitglieder von der IGM-Führung einen betriebsübergreifenden und auch internationalen Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung einfordern. Ein landesweiter eintägiger Protest- und Streiktag in Baden-Württemberg könnte ein erster Schritt sein, den Kampf um die Verteidigung aller Arbeitsplätze offensiv zu führen.
