Historische Niederlage des US-Imperialismus

CC BY-NC 2.0 by Rocklin Lyons via Flickr

Manifest Verlag veröffentlicht Buch über den Vietnamkrieg

Am 23. April 2025 verstarb Peter Taaffe, Mitbegründer des CWI (Komitee für eine Arbeiter*internationale – internationale Organisation, der die Sol angehört) und viele Jahre Generalsekretär unserer Schwesterorganisation in England und Wales, der Socialist Party. Aber bei der Herausgabe seines Buches über den Vietnamkrieg geht es nicht um Pietät, sondern um die politischen Lehren.

von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart

Das Buch erschien Anfang 2004, ein knappes Jahr nach dem Sturz Saddam Husseins im Irak durch die USA. In seinem Buch zieht Peter immer wieder Vergleiche zwischen dem Vietnamkrieg und dem Irakkrieg, arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede und Entwicklungen heraus und regt damit die Leser*innen von 2026 dazu an, beide Kriege mit den heutigen Kriegen bzw. die Vietnamkrieg-Präsidenten Johnson und Nixon, den Irakkrieg-Präsidenten George W. Bush und Donald Trump heute zu vergleichen.

Er beginnt mit einem Überblick über die französische Kolonialherrschaft und die damit verbundene Ausbeutung und Unterdrückung. Danach geht es um die Wiederherstellung dieser Kolonialherrschaft, nachdem Vietnam im Zweiten Weltkrieg von Japan erobert worden war und nach der Niederlage Japans praktisch unabhängig war. Es folgte ein blutiger Kolonialkrieg, der mit der Niederlage Frankreichs in Điện Biên Phủ endete, aber nicht zur Unabhängigkeit Vietnams, sondern zur Teilung des Landes mit dem Süden als Marionette des US-Imperialismus führte. Mit diesem faulen Kompromiss der globalen Diplomatie zwischen Stalinismus und Imperialismus, wurde der Keim für die zweite Runde des Vietnamkriegs in den 1960er und 1970er Jahren gelegt.

Das nächste Kapitel behandelt das folgende Jahrzehnt des relativen Friedens mit der zunehmenden Unterstützung des Regimes in Südvietnam unter Präsident Kennedy. Weitere Kapitel behandeln die erste Phase des Vietnamkriegs im engeren Sinne, das Jahr 1968 als Wendepunkt („Tet-Offensive“), die Fortsetzung des Krieges unter Nixon, die Antikriegsbewegung in den USA unter Studierenden, Arbeiter*innen und nicht zuletzt den wachsenden Widerstand in der US-Armee selbst, die Auseinandersetzung in Großbritannien und das Ende des Krieges. Dabei wird der Zusammenhang zwischen dem Vietnamkrieg und den damaligen revolutionären Bewegungen und Massenkämpfen international deutlich.

Zwei Anhänge behandeln die Theorie der permanenten Revolution und die schrecklichen Folgen (einschließlich Langzeitfolgen) des Chemiewaffeneinsatzes durch die USA.

Imperialismus und Stalinismus

Im ganzen Buch wird die Brutalität des Imperialismus, insbesondere des US-Imperialismus, deutlich. Mehrfach wurde der Einsatz von Atomwaffen ernsthaft diskutiert. Der Bombenterror gegen Vietnam und die Nachbarländer Laos und Kambodscha stellte die Bombardierungen von Städten im Zweiten Weltkrieg weit in den Schatten.

Das Anprangern des Imperialismus wird begleitet von deutlicher Kritik an den stalinistischen Regimes in der Sowjetunion, China und Vietnam selbst. Kritik wird auch an den führenden Strömungen der Antikriegsbewegung in den USA und Großbritannien geübt. Dem stellt er die Position „Militants“, der Vorläuferin der Socialist Party in Großbritannien, gegenüber, die zwar eindeutig für eine Niederlage des US-Imperialismus und den Sturz des Kapitalismus in Vietnam eintrat, aber zugleich warnte, dass ein Sieg der Vietcong-Guerilla nicht zu einer sozialistischen Demokratie, sondern zu einem stalinistischen Regime wie in der Sowjetunion, China oder Osteuropa führen würde. Um von dort zum Sozialismus zu kommen, wäre ein Sturz der stalinistischen Bürokratie durch eine politische Revolution nötig gewesen.

Lehren

Der Vietnamkrieg war die erste militärische Niederlage des US-Imperialismus. Zentral dabei war: Die Massen in Vietnam kämpften nicht nur für ihre nationale, sondern auch für ihre soziale Befreiung. Der Imperialismus konnte nicht ethnische Gruppen gegeneinander ausspielen. Und es gab eine mächtige Antikriegsbewegung weltweit und insbesondere in den USA und der US-Armee selbst. Das sind wichtige Hinweise, wie weitere Niederlagen des Imperialismus heute möglich sind.