Der eskalierende Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China ist nicht einfach ein Disput zwischen Politiker*innen oder das Ergebnis einer fehlgeleiteten Politik des Weißen Hauses. Er spiegelt vielmehr die tiefreichenden Spannungen im globalen Kapitalismus selbst wider. Seit der großen Rezession von 2007/08 und zuletzt der Covid-Pandemie hat sich die lange Phase der Globalisierung begonnen umzukehren. Lieferketten sind unterbrochen worden, das Handelswachstum hat sich verlangsamt, Regierungen haben direkt eingegriffen um große Firmen und strategische Industrien zu verteidigen, die alte ideologische Bindung an freie Märkte ist schwächer geworden. Der Kapitalismus tritt in eine instabilere und konfliktreichere Phase ein, die sich politisch in der Hinwendung von Figuren wie Donald Trump, Joe Biden, Xi Jinping und führenden europäischen Politiker*innen zu einem wachsenden wirtschaftlichen Nationalismus, Subventionsregimen und strategischer Konfrontation ausdrückt.
von Wayne Scott, CWI Schottland, zuerst veröffentlicht am 3. Februar 2026
Kapitalakkumulation hängt von der Rentabilität des Ausbaus der Produktion ab. Dazu muss Kapital in Arbeit und Maschinen investiert, Mehrwert gewonnen, Waren verkauft und dieser Kreislauf in größerem Maßstab wiederholt werden. Wettbewerbsdruck treibt erhebliche Anlageinvestitionen an, während steigende Kosten und sich intensivierende Rivalitäten steigenden Druck auf die Profitmarge ausüben. Wenn die Rentabilität sinkt, vergrößern alle Unterbrechungen der Zirkulation – verspäteter Transport, gebrochene Lieferketten, blockierte Märkte oder Zahlungsengpässe – die Belastung, indem sie das Kapital länger binden, bevor es seinen Kreislauf vollenden kann und als monetäres Kapital zurückkehrt. Das Ergebnis ist nicht bloß logistische Reibung, sondern verschärfte Konkurrenz: Pro erzielter Gewinneinheit wird eine höhere effektive Eigenmittelausstattung benötigt bzw. sind die Kapitalanforderungen höher und der Druck auf schwächere Firmen oder Staaten erhöht sich.
In der Praxis bedeutet das, dass immer größere Massen an Kapital miteinander um profitablen Ausbau wetteifern, während sich Anlageinvestitionen anhäufen, Profitmargen sich verengen und Umsatz verlangsamt wird, während Handelsbarrieren, Sanktionen und Staatsrivalitäten zunehmend den Fluss von Waren und Investitionen stören. Regierungen antworten darauf, indem sie offener eingreifen, um nationales Kapital zu verteidigen und Risiken vergesellschaften, während sie privates Eigentum und Wettbewerb erhalten, sei es durch Trumps Zollkrieg, Bidens subventionsgeleitete Industriepolitik oder die wachsende Abhängigkeit der Europäischen Union von staatlichen Hilfen und Schutz.
Über mehrere Jahrzehnte schien der globale Kapitalismus sich relativ reibungslos auszudehnen. Die kapitalistische Globalisierung beschleunigte sich nach dem Zusammenbruch des Stalinismus in der Sowjetunion, Osteuropa und später China, was dem Welthandel riesige neue Reserven an ausbeutbarer Arbeit, Rohstoffen und Märkten öffnete. In Russland und weiten Teilen Osteuropas war die Restauration des Kapitalismus schnell und zerstörerisch, markiert durch wirtschaftlichen Zerfall, Massenarmut und den Aufstieg oligarchischer Eliten durch die Plünderung des Staatseigentums. In China verlief der Prozess anders. Das Regime behielt die Kontrolle über die großen Banken, den Energie- und Transportsektor sowie die Schwerindustrie, aber erlaubte eine schnelle Expansion von privatem Kapital in der Verarbeitung und bei Dienstleistungen und etablierte ein mächtiges exportorientiertes Wachstumsmodell, das unter der langen Herrschaft der Führungsriege der Kommunistischen Partei Chinas konsolidiert wurde.
Multinationale Firmen verlagerten ihre Produktion auf andere Kontinente. Große Investitionen flossen in Häfen, Containerschiffe, Eisenbahnen, Stromnetze und Exportfabriken. China saugte einen Großteil dieser Investitionen auf und wurde zur „Werkstatt der Welt“. Westliche Firmen steigerten ihre Rentabilität durch globale Umstrukturierungen, während Banken und Finanzmärkte sich die wachsenden Ansprüche auf den Mehrwert, der in diese erweiterten Kreisläufen der Akkumulation generiert wurde, unter den Nagel rissen.
Seit Covid ist dieses Modell in eine Periode der erhöhten Instabilität eingetreten. Die Lockdowns enthüllten wie angespannt und zerbrechlich die Lieferketten geworden waren. Engpässe an medizinischer Ausstattung, Halbleitern und industriellen Vorleistungen zeigten wie abhängig von billiger, besonders stark ausgebeuteter Arbeit im Ausland die großen kapitalistischen Ökonomien geworden waren. Kriege, Sanktionsregelungen und Lieferschwierigkeiten verstärkten den Druck, der von den Staatsoberhäuptern politisiert wurde, die die Lieferketten als Fragen der „nationalen Sicherheit“ präsentierten.
Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland zeigen, wie geopolitische Konflikte direkt in die Organisation und Kosten der Produktion einfließen. Jahrzehntelang verließ sich ein Großteil der europäischen Industrie auf relativ günstiges russisches Gas und Öl, was die Stückkosten senkte und eine energieintensive Produktion unterstützte. Die Unterbrechung dieser Versorgungswege ließ die Betriebskosten stark steigen, wodurch Teile der existierenden Werke unter die Rentabilitätsschwelle gedrückt und zu Schließung, Unterauslastung oder beschleunigte Umstrukturierungen gezwungen wurden. Was politisch als „Energiesicherheit“ bezeichnet wird, bedeutet übersetzt in die Wirtschaft verringerte Gewinnspannen, Umstrukturierungsdruck und größere Abhängigkeit von staatlichen Subventionen.
Diese Produktionszwänge wirken sich direkt darauf aus, wie schnell Güter verkauft und Geld zurückgewonnen werden kann. Wenn der Strom teurer wird, laufen Fabriken auf niedrigerer Kapazität, verlangsamt sich der Transport und Firmen müssen mehr Geld investieren, nur um den Betrieb am Laufen zu halten. Gleichzeitig stören Sanktionen, Bankingeinschränkungen und Währungskontrollen den internationalen Zahlungsverkehr und verzögern, wann Exportunternehmen ihr Geld tatsächlich erhalten. Das Kapital bleibt daher länger eingeschlossen in unfertigen Waren, Lagern oder unbezahlten Rechnungen, anstatt in die nächste Runde der Produktion zurückzufließen. Das verschärft Engpässe, die bereits von Überkapazitäten und den Rückgang des Handels entstanden sind.
Steigende Zinsen verschärfen das Problem. Leihen wird teurer und Kredite schwieriger zugänglich, während Regierungen versuchen, Firmen durch Subventionen und Industriepolitik zu großangelegten neuen Investitionsprogrammen zu bewegen.
Anstelle eines ruhigen Warenflusses von der Fabrik zum Markt sind die Produktion und der Transport mehrfach verzögert und unterbrochen. Investitionsentscheidungen werden verschoben, Planungshorizonte verkürzt und der Wettbewerbsdruck steigt. Jahrelange Anlageinvestitionen haben wachsende Überkapazität generiert. Große Mengen an Maschinen, Fabriken und Infrastruktur stehen rückläufigen Renditen gegenüber, während sich die Rivalität intensiviert und die Kapitalmasse schneller wächst als Mehrwert unter den vorherrschenden Bedingungen produziert werden kann. Firmen reagieren darauf, indem sie das Exportgeschäft aggressiver verfolgen, staatliche Subventionen fordern, Konkurrenz übernehmen und in manchen Fällen die Regierungen zu protektionistischen Maßnahmen drängen.
Die ausländischen Direktinvestitionen in China haben sich im Vergleich zum letzten Jahrzehnt verlangsamt, obwohl chinesische Unternehmen unter staatlicher Führung weiterhin stark in fortschrittliche Fertigung und Automatisierung investieren. Das verschärft den Wettbewerb in Wirtschaftsbereichen wie bei Elektrischen Fahrzeugen, Batterien und Elektronik, wo ohnehin hohe Fixkosten bereits die Profitmarge einschränken. In den Vereinigten Staaten und Europa stecken die Regierungen öffentliche Mittel in Halbleiterfabriken, Energieprojekte und Batterieherstellung, um zu versuchen, die Produktion wieder in die eigenen nationalen Grenzen zurückzuholen. Multinationale Unternehmen verlagern ihre Investitionen nach Mexiko, Südostasien und Osteuropa, um das Risikopotenzial durch Handelskonflikte und politische Instabilität zu verringern. Die Globalisierung ist nicht gänzlich verschwunden, aber Produktion und Investitionen werden zunehmend von Zöllen, Subventionen und militärischem Druck anstatt von offenen Märkten geformt.
Marx über internationalen Handel
Der Freihandel wird meistens mit Ricardos Theorie des Komparativen Kostenvorteils verteidigt. Sein Modell besagt, dass sich ein Handelsungleichgewicht automatisch ausgleicht. Wenn ein Land zu viel importiert, fließt Geld ab, die Binnenpreise fallen, Exporte werden günstiger und das Gleichgewicht ist wieder hergestellt. In dieser Theorie kann kein Land ein anderes für längere Zeit dominieren und alle Kapitalist*innen haben einen Vorteil vom offenen Austausch, ein Argument, dass immer noch von wirtschaftsliberalen Ökonom*innen und Freihandelspolitiker*innen wiederholt wird, obwohl die alte globale Ordnung in sich zusammenfällt.
Marx widersprach dieser Logik. Ricardo behandelte Geldströme als den Grund für den Wettbewerb nicht für sein Ergebnis. In Wirklichkeit bestimmt die Produktivität, die durch die akkumulierten Investitionen, Technologien, Infrastruktur und die Konzentration der ausbeutbaren Arbeit beeinflusst wird, die Preise auf dem Weltmarkt. Fallende Preise machen schwächere Volkswirtschaften nicht effizienter. Die zugrundeliegende Lücke zwischen Produktionskapazität und Kapitalakkumulation bleibt bestehen.
Einige Volkswirtschaften entwickeln anhaltende Vorteile, da Kapital, Technologie und Arbeitskraft sich dort über lange Zeit konzentrierten. Sie können Rivalen unterbieten, während sie trotzdem noch gesunde Profite durch überlegene Produktivität und nicht durch ausgewogenen Tausch erwirtschaften. Das Ergebnis sind stabile Handelsüberschüsse für einige Länder und chronische Defizite für andere. Diese Unausgewogenheiten generieren langfristige Kapitalflüsse und kein automatisches Gleichgewicht.
Volkswirtschaften mit Überschuss häufen finanzielle Reserven an und drängen ihre Unternehmen und Banken dazu, Investitionen und Leihgeschäfte im Ausland zu machen. Defizitwirtschaften werden mit der Zeit zunehmend abhängiger von ausländischem Kapital und externen Krediten. Der Weltmarkt ist also nicht auf harmonischem Tausch sondern auch ungleicher ökonomischer Macht zwischen den Staaten und Firmen aufgebaut.
Das beschreibt die letzten drei Jahrzehnte. Chinas Aufstieg fußte auf massiven Investitionen in Verarbeitung und Infrastruktur, die anhaltende Handelsüberschüsse und Auslandsinvestitionen chinesischer Firmen und Staatsbanken produzierten. Die Vereinigten Staaten erlebten einen relativen Rückgang im verarbeitenden Gewerbe während der Finanzsektor expandierte, was zu chronischen Handelsdefiziten und der Abhängigkeit von globalen Kapitalzuflüssen führte, ein Widerspruch, der zunehmend von Politiker*innen wie Trump als Waffe der nationalistischen Rhetorik instrumentalisiert wurde, aber eher auf materiellen Veränderungen als auf politischen Entscheidungen allein beruhte.
Warum der Handelskrieg ausbrach
Als die Globalisierung langsamer geworden und die Rentabilität unter Druck geraten war, wurde es schwieriger, diese ungleichen Beziehungen durch Marktmechanismen allein regeln zu lassen. Großkonzerne und Finanzinteressen forderten zunehmend staatlichen Schutz, Subventionen und direkte Investitionen, um Märkte zu verteidigen, Lieferketten zu sichern und Renditen zu stabilisieren.
US-Politiker*innen machen Betrug oder Manipulation für Chinas Überschuss verantwortlich. In Wirklichkeit spiegelt dies langfristige Verschiebungen in der Produktionskapazität und im akkumulierten Kapital wider. Trumps Zolleskalation, die unter Biden in modifizierter Form fortgesetzt wurde, sowie Sanktionen gegen chinesische Technologieunternehmen, Exportkontrollen für hochentwickelte Chips und massive Subventionen für die heimische Fertigung sind Versuche der herrschenden Klasse der USA, industriell wieder Boden gut zu machen und ihre Vorherrschaft in Schlüsseltechnologien zu verteidigen.
China unterstützt weiterhin Investitionen in elektrische Fahrzeuge, Batterien, Robotik und Telekommunikation trotz der Fragmentierung des Weltmarktes durch staatliche Planung und gezielte Kredite. Dies verschärft den intensiven Wettbewerb in Sektoren, die bereits mit hohen Anlageinvestitionen und knappen Gewinnspannen zu kämpfen haben. Chinesische Firmen und staatliche Kreditinstitute exportieren weiterhin Kapital in ausländische Infrastruktur, Energie und Rohstoffprojekte und verstärken so Chinas Position als bedeutender Kapitalexporteur.
Häfen, Lager, Stromversorgung, Logistikhubs und moderne Fertigung hängen von hochkonzentrierten und disziplinierten Arbeitskräften ab. Störungen, wie z.B. Hafen- und Logistikstreiks oder Arbeitskämpfe in der Fertigung zeigen wie organisierte Arbeiter*innen schnell die Akkumulation an ihren Engstellen unterbrechen können, selbst wenn Chefs und Regierungen versuchen, die Gewerkschaften durch Automatisierung, Outsourcing und Prekarisierung zu schwächen.
Protektionismus und Gewerkschaften
Protektionismus spiegelt den Zusammenbruch des alten globalisierten Wachstumsmodells wider und den Versuch rivalisierender kapitalistischer Staaten, ihre eigenen Unternehmen zu verteidigen, wenn sich die Konkurrenz verschärft und Märkte fragmentieren. Zölle, Subventionen und Handelskontrollen sind zu zentralen Punkten von politischen Entscheidungen geworden, angetrieben von Großkonzernen, die geschützte Märkte, sichere Lieferketten und garantierten Profit suchen, auch wenn Teile der Bourgeoisie vor einem Zollkrieg als Störung und Ähnlichem Angst haben.
In den Vereinigten Staaten wird dieser Wandel offen von Teilen der Gewerkschaftsbürokratie unterstützt. Shawn Fain von der UAW (nordamerikanische Automobilgewerkschaft, Anm. d. Übers.) präsentiert Zölle und Rückverlagerung der Produktion ins Inland als progressive Antworten auf Jahrzehnte des industriellen Rückgangs und setzte sich für diese Ideen bei den letzten Streiks im Automobilsektor ein. Seine Ideen haben Resonanz bei Arbeiter*innen, die unter der Verwüstung im „Rust Belt“ (dt. „Rostgürtel“, Region im Nordosten der USA, die stark von der Abwanderung der Schwerindustrie geprägt ist, Anm. d. Übers.) und anderswo leiden. Aber seine Strategie ist eine Sackgasse für die Arbeiter*innenklasse. Sie verleitet Arbeiter*innen dazu, die mit den Wettbewerbsinteressen ihrer eigenen Bosse zu identifizieren, anstatt gemeinsam mit anderen Arbeiter*innen international dieselben Angriffe abzuwehren. Anstatt kapitalistische Eigentums- und Kontrollverhältnisse herauszufordern, wird der Ärger in die Unterstützung für staatliche Subventionen, protektionistische Maßnahmen und geopolitische Rivalitäten kanalisiert. In der Praxis bedeutet Rückverlagerung der Produktion im Kapitalismus weder Beschäftigungsgarantie noch demokratische Kontrolle. Öffentliche Mittel fließen an Unternehmen, während Automatisierung, Beschleunigung und Restrukturierung die Ausbeutung intensivieren. Vergeltungszölle lassen die Kosten über die Lieferketten hinweg steigen und werden an Arbeiter*innen und Konsument*innen weitergereicht. Kapitalist*innen nutzen dann diesen Druck, um Lohnkürzungen und Arbeitsplatzabbau zu rechtfertigen.
Protektionismus schwächt die Unabhängigkeit der Arbeiter*innenklasse, auch wenn er kämpferisch auftritt. Er fragmentiert Solidarität und bereitet Arbeiter*innen darauf vor, die Kosten von Handelskriegen, Aufrüstung und Konfrontation zu zahlen. Protektionismus kann die Probleme der Überakkumulation und der fallenden Profitrate nicht lösen. Er verteilt nur die Krise zwischen rivalisierenden kapitalistischen Klassen um, während er Privateigentum und Wettbewerb erhält.
Vom Handelskrieg zur stumpfen Gewalt
Da die Koordinierung der Märkte geschwächt wird, tendieren Staaten dazu, immer mehr direkte Kontrolle über Öl, Gas, Bodenschätze, Schifffahrtswege und Finanzsysteme ausüben zu wollen. Wirtschaftsrivalitäten werden zu Sanktionen, Blockaden und militärischer Gewalt.
Der Krieg in der Ukraine und die Expansion der NATO haben diesen Prozess beschleunigt. Die Energieversorgung wurde instrumentalisiert, Sanktionen vervielfacht und die Militärausgaben stiegen. Die europäische Industrie sieht sich dauerhaft höheren Energiekosten gegenüber, die die Konkurrenzfähigkeit und Investitionen grundlegend verändert. Die Rüstungsproduktion bindet einen wachsenden Anteil der Staatshaushalte und schreibt so langfristige Militarisierung fest.
In Amerika hat der US-Imperialismus offene Zwangsmaßnahmen gegen Venezuela ergriffen, darunter die Beschlagnahmung von Vermögenswerten, militärische Operationen auf See und die Entführung von Maduro, um die Energiereserven und die strategische Position in der Region zu kontrollieren, da sich der Wettbewerb mit China verschärft.
Grönland zeigt, wie selbst die isoliertesten Weltregionen strategisch entscheidend werden können. Das Schmelzen des arktischen Eises wird kürzere Seerouten eröffnen und strategisch wichtige Bodenschätze freilegen. Die unverhohlenen Drohungen der US-Politiker*innen, Grönland zu annektieren und die politische und militärische Reaktion von „Verbündeten“ machen deutlich, wie fragil Allianzen wie die NATO oder die Vereinten Nationen sind, sobald sie mit materiellen Interessen kollidieren.
Internationale sozialistische Planung – nicht kapitalistische Krisen und Kriege
Handelskriege und Blockkonkurrenz enthüllen die Anspannung des Systems. Der Kapitalismus sieht sich mit sinkender Rentabilität und Überkapazität konfrontiert, Märkte fragmentieren und Staaten greifen aggressiv ein, um ihre eigenen herrschenden Klassen zu verteidigen. Das ergibt sich direkt aus einem System, das auf Privateigentum, Wettbewerb und nationalen Rivalitäten gebaut ist.
In den Vereinigten Staaten kann das nicht durch Regulierung oder Industriepolitik gelöst werden. Die Arbeiter*innenklasse muss ihre eigene politische Partei bilden, die in den Gewerkschaften verwurzelt und in der Lage ist, um politische Macht zu kämpfen. Eine Arbeiter*innenregierung müsste die Großbanken, Energieunternehmen, das Transportnetzwerk, Logistikunternehmen und Industriegiganten in Gemeineigentum unter Arbeiter*innenkontrolle überführen, sodass enorme Ressourcen frei werden, die weg von Waffenproduktion, Spekulation und Unternehmenssubventionen hin zu Wohnungsbau, Infrastruktur, öffentlichen Diensten und in eine sozialistische Energiewende zu grüner Energie fließen könnten.
Ein Außenhandelsmonopol ist dafür zentral. Ohne ein solches können Unternehmen und Finanzkapital Geld und Produktion über Grenzen hinweg verlagern und den demokratischen Entscheidungsprozess umgehen, die Arbeiter*innenregierung durch Kapitalflucht und Währungsdruck erpressen und die Kontrolle über die Lieferketten behalten. Mit einem solchen können Importe und Exporte im Interesse der Arbeiter*innen organisiert werden, unverzichtbare Ressourcen gesichert und sozial produzierter Reichtum vor dem Rückfluss in private Hände geschützt werden. Es würde sich also um einen entscheidenden Schritt hin zu internationaler Koordinierung von Produktion und Handel handeln, die sich an menschlichen Bedürfnissen statt Profit orientieren.
In China sind die Aufgaben der Arbeiter*innenklasse ähnlich aber nicht identisch. Ein Großteil der Exportproduktion bleibt in privater Hand und wird direkt auf dem Weltmarkt gehandelt, während selbst staatseigene Unternehmen um Profite, Marktanteile und Überseeexpansion konkurrieren. Es gibt kein eigentliches Außenhandelsmonopol in einem sozialistischen Sinne. Die Kontrollmechanismen existieren, um das Regime zu stabilisieren und das Risiko zu verwalten, nicht um die Produktion und den Handel unter demokratischer Planung zu organisieren. Eine sozialistische Transformation muss daher die Macht sowohl der Kapitalist*innenklasse als auch der KPCh-Bürokratie brechen. Sie würde ein umfassendes Programm der Verstaatlichung von Unternehmen – inklusive multinationaler in China angesiedelter Konzerne – und die Unterstellung der Industrie, der bestehenden staatlichen Sektoren, des Finanzwesens und des Außenhandels unter tatsächliche Arbeiter*innenkontrolle bedeuten, ebenso wie die Planung und Verwaltung der Wirtschaft durch die Arbeiter*innenklasse.
Millionen von Arbeiter*innen konzentrieren sich in den Arterien der modernen Produktion und des Vertriebs, Energie, Häfen, Logistik und fortschrittlicher Fertigung. Sektorübergreifende Arbeitskämpfe können schnell die Akkumulation stören und direkt die Frage aufwerfen, wer die Wirtschaft und den Staat kontrolliert. Aber dieser Kampf darf nicht innerhalb nationaler Grenzen bleiben. International arbeiten dieselben Konzerne und derselbe Druck in Richtung Handelskrieg und Militarisierung lastet auf allen Arbeiter*innen überall. Internationale Solidarität aufzubauen ist daher entscheidend. Die Streiks kürzlich in China sowie die kämpferischen Hafenstreiks in den Vereinigten Staaten von Amerika geben einen Einblick in das Machtpotenzial, das bereits in der Arbeiter*innenklasse vorhanden ist.
Der Kapitalismus schafft nicht nur ökonomische Instabilität, er treibt Staaten auch zu Zwangsmaßnahmen, Militarisierung und Krieg, während sie um Märkte, Ressourcen und strategische Positionen konkurrieren. Eine internationale, sozialistische Planung – demokratisch durch die Arbeiter*innenklasse selbst organisiert – ist dementsprechend kein Ideal sondern eine materielle Notwendigkeit, wenn die Menschheit dem Kreislauf aus systemimmanenten Krisen und Konflikten entrinnen will.