Streik bei den DRK-Kliniken Berlin

Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne

Nachdem die im Juli 2025 begonnenen Tarifverhandlungen mit den DRK-Kliniken in Berlin zu keinem annehmbaren Ergebnis geführt hatten, startete die tarifbeschäftigte Belegschaft nach Ablauf der Friedenspflicht einen weiteren Kampf, um ihre Forderungen durchzusetzen.

von Paolo, Berlin

Am Dienstag und Mittwoch, dem 13. und 14. Januar 2026, wurde an den drei DRK-Hauptstandorten Mitte, Westend und Köpenick gestreikt. Trotz der vielen Einschüchterungsversuche der Geschäftsführung – darunter Warn-E-Mails, Hausverbote und die Blockade des Notdienstplans samt einstweiliger Verfügung – streikten viele Kolleg*innen mit. Die Kernforderungen der Gewerkschaften sind stärkere Lohnerhöhungen (5 Prozent für 2026 und 5 Prozent für 2027) sowie eine kürzere Laufzeit als von DRK-Seite vorgeschlagen, um Reallohnverluste zu vermeiden. So will der Arbeitgeber 6 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren, ver.di wiederum fordert 10 Prozent in zwei Jahren. Durch die lange Laufzeit würden sich die nächsten Anpassungen in die ferne Zukunft verschieben und der Rückstand zum TVöD, der nur bis 2027 gilt, würde sich vergrößern. Grundsätzlich geht es also vor allem um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Schon jetzt nimmt die Unterbesetzung überhand und macht die Arbeit in den Kliniken zu einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Die anfängliche Forderung von weiteren 10 Prozent rückwirkend für 2025 hat ver.di im Verlauf der bisherigen Verhandlungen vor den ersten Streiktagen zurückgestellt, und zeigt auch weitere “Kompromissbereitschaft” gegenüber der Arbeitgeberseite, wie es auf der Website heißt (1). Bei den steigenden Lebenshaltungskosten durch hohe Mieten, Preissteigerungen bei Lebensmitteln usw. wäre es richtig gewesen, eine offensive Lohnforderung aufrechtzuerhalten und diese nicht aufzugeben, bevor überhaupt richtig gekämpft wurde. Viele Arbeitskämpfe in der Vergangenheit, auch im Gesundheitswesen, haben gezeigt: wenn es um wirkliche Verbesserung und offensive Forderungen geht, sind viele eher bereit, sich an den Streiks zu beteiligen und gemeinsam zu kämpfen. Wichtig ist wiederum auch die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung. Ver.di fordert eine Verkürzung von 39 auf 38,5 Stunden pro Woche ohne Gehaltseinbußen. Wie auch viele Streikende meinten, reicht das auf die Dauer nicht aus, sondern es muss ein erster Schritt sein, um weitere Arbeitszeitverkürzungen zu erkämpfen. Nötig wäre in dem Zuge auch die Forderung nach Personalausgleich, damit dies auch real zu einer geringeren Arbeitsbelastung führen kann.

Die Umsetzung der Forderung von höheren Löhnen und einer Verkürzung der Arbeitszeit wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg, wieder mehr Menschen für die Pflegeberufe zu gewinnen bzw. sie dort zu halten. Wissenschaftlich bestätigt ist, dass viele ausgebildete Pflegekräfte, die mittlerweile in anderen Branchen beschäftigt sind, in den Beruf zurückkehren würden, wenn sich die Bedingungen durch mehr Personal und damit verbundene Entlastung verbessern würden, wie eine Studie der Arbeitnehmerkammer und der Hans-Böckler-Stiftung von 2021 aufzeigte – und zwar genau genommen über 300.000 Vollzeitpflegekräfte (2).

Zentral wäre hierfür eine feste, gesetzliche Personalbemessung, wie auch von der Berliner Krankenhausbewegung gefordert – diese muss sich am Bedarf ausrichten. Um mehr Personal zu gewinnen, braucht es aber auch höhere Löhne. Die Abwanderung von Pflegekräften in den besser bezahlten Leasing-Sektor (Zeitarbeit bei externen Firmen) zeigt, dass neben geregelten Arbeitszeiten zudem monetäre Verbesserungen wichtig sind, damit das Personal in den Krankenhäusern bleibt und es nicht zu noch schlimmerem Personalmangel, vor allem in den Nacht- und Wochenendschichten, kommt. Hierzu zählt neben einem höheren Grundgehalt beispielsweise auch eine besser vergütete Schichtarbeit. Ver.di fordert eine Erhöhung der 2-Schicht-Zulage auf 50 Euro und der 3-Schicht-Zulage auf 125 Euro. Mit der Forderung nach höheren Praxisanleiterzulagen könnte ebenfalls ein Anreiz für eine umfangreichere Ausbildungsbetreuung gesetzt werden, die für die Zukunft der Berufsgruppe entscheidend ist.

Vor und während des Streiks versuchte die Geschäftsführung einmal mehr, Patient*innen gegen die Belegschaft auszuspielen, um die systematischen Probleme zu verschleiern. Vor Ort zeigten sich viele Streikende – darunter vor allem Pflegekräfte – wütend über die Repressionen der Geschäftsführung und deren Unwillen, auf die Forderungen einzugehen. Sie stellten erneut klar, dass nicht der zweitägige Streik, sondern die starke Unterbesetzung und die dadurch bedingte mangelhafte Pflege der Patient*innen das eigentliche Problem sei.

Wenn sich hier in Zukunft nichts ändert, wird das Gesundheitssystem vor noch größere Herausforderungen gestellt. Die abweisende Antwort der Krankenhausleitung zeigt erneut, dass es im kapitalistischen System zu keiner nachhaltigen Lösung kommen wird.

Als Sol Berlin waren wir beim Streik unterstützend vor Ort und stehen hinter den Forderungen der Kolleg*innen, die voll durchgesetzt werden müssen! Nötig wäre eine Koordination der Streiks gemeinsam mit anderen aktuell stattfindenden Tarifrunden, wie mit den Beschäftigten der Länder oder den Kolleg*innen bei den Vivantes-Töchtern, die ihren Kampf für die Eingliederung in den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes vorbereiten – wie 2025 auch die Kolleg*innen des Charité Facility Management. So könnte man gemeinsam streiken, miteinander diskutieren und aus Lehren der anderen lernen. Notwendig wäre auch, Diskussionen über einen unbefristeten Streik zu führen und eine Urabstimmung vorzubereiten und zu diskutieren, wie mehr Beschäftigte in den Kampf eingebunden werden können.

In einem System, das sowohl Patient*innen als auch Arbeiter*innen auspresst, um möglichst hohe Profite zu erzielen, gibt es für die herrschende Klasse nur wenige Alternativen. Dass zeitgleich auch z. B. über die Abschaffung des Pflegegrades 1, Beitragserhöhungen und Kürzungen bei den gesetzlichen Krankenkassen, Ärzt*innenmangel usw. diskutiert wird, sind keine Zufälle, sondern ebenso Produkte dieses Systems. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist eine sozialistische Demokratie notwendig, in der öffentliche Dienste nach Bedarf finanziert werden, Lohnabhängige gemeinsam über ihre Arbeitsbedingungen entscheiden und in der die bestmögliche Gesundheitsversorgung aller und nicht die Profite weniger im Vordergrund stehen. Das wird nur durch einen gemeinsamen Kampf der Arbeiter*innenklasse möglich sein. Die Streikbewegung an den Krankenhäusern in den letzten Jahren und die gesellschaftliche Unterstützung zeigen, dass wir die Kraft haben, den Kampf für eine bessere Zukunft in unseren Krankenhäusern gemeinsam weiterzuführen.

Verweise:

(1)https://gesundheit-soziales-bildung-bb.verdi.de/themen/tarifrunde-oed-der-laender-2025-2026/++co++c4dddc38-efa7-11f0-98c5-374e490a8de6
(2)https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Politik/Rente_Gesundheit_Pflege/Bundesweite_Studie_Ich_pflege_wieder_wenn_Langfassung.pdf