Telekom-Tarifrunde beginnt
Bis 6. März läuft die Forderungsfindung von ver.di für die Tarifrunde bei der Deutschen Telekom. Diese findet vor dem Hintergrund von anhaltender Inflation, steigender Arbeitsverdichtung, verstärktem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und dem Aufbau großer Rechenzentren und Verlusten im IT-Bereich durch die Krise in anderen Branchen statt. Gleichzeitig meldet der Konzern stabile Gewinne von 9,7 Milliarden Euro (nach Abzug von Steuern, Abschreibungen etc.)1 bei weiter gestiegenem Umsatz und erhöhten Dividenden für Aktionär*innen2. Die Beschäftigten haben also allen Grund, selbstbewusst für deutliche Lohnerhöhungen zu kämpfen.
von Alexandra Arnsburg, ver.di-Vertrauensperson in Berlin*
Während Telekom-Chef Höttges verlautbaren lässt: „Wir müssen alle wieder mehr arbeiten“3, haben die vergangenen Jahre angesichts von gestiegenen Lebenshaltungskosten für die Beschäftigten Reallohnverluste gebracht. Dabei wurde die Arbeit bei ständig steigenden Erwartungen und Effizienzdruck immer anspruchsvoller.
Das „Argument“ der Telekom-Bosse, man müsse angesichts internationaler Konkurrenz und technologischer Umbrüche „Verantwortung“ zeigen, heißt in ihrer Logik niedrigere Löhne und weitere Flexibilisierung für die Beschäftigten.
Stellenabbau und Flexibilisierung
Doch Lohnverzicht schafft keine Arbeitsplätze – er erhöht lediglich die Profite. Diese Erfahrung wurde in zahllosen Tarifrunden gemacht: Trotz moderater Abschlüsse und sogar Absenkungen steht den Umsatzsteigerungen ein kontinuierlicher Stellenabbau entgegen. So wurden allein von 2019 bis 2024 knapp 20.000 Vollzeitstellen abgebaut.
Arbeitszeitverkürzung!
Der Einsatz von Automatisierung, Chatbots und Steuerung soll Abläufe effizienter machen. Für Beschäftigte bedeutet das Leistungsverdichtung, Kontrolle, Verunsicherung, Entfremdung und Angst vor Arbeitsplatzverlust. Wenn Produktivität steigt, ohne dass Arbeitszeit verkürzt wird, droht Stellenabbau. Die Antwort darauf kann nicht sein, niedrigere Löhne zu akzeptieren. Notwendig sind Qualifizierungen, Transparenz über den Einsatz von KI sowie Kontrolle darüber durch Beschäftigte und Gewerkschaften, sowie Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich.
Demokratische Streikführung
Es kommt auf ein entschlossenes Handeln der ver.di-Führung an, um die Stärke und Entschlossenheit der Beschäftigten anzustoßen. Ein erfolgreicher Arbeitskampf braucht außerdem demokratische Kontrolle durch die Streikenden selbst. Streikversammlungen dürfen keine reinen Informationsveranstaltungen sein, sondern müssen Orte echter Diskussion sein: Welche Angebote liegen auf dem Tisch? Wie können wir mehr werden und effektiver streiken?
Wenn Kolleg*innen vollumfänglich informiert sind, können sie bewusst über die nächsten Schritte entscheiden. Streikdelegiertenstrukturen, regelmäßige Versammlungen und gewählte Streikleitungen vor Ort erhöhen die Beteiligung und Kampfkraft und den Druck auf den Konzern, weil deutlich wird, dass die Basis hinter den Forderungen steht. Ein Arbeitskampferfolg im Telekom-Konzern und gemeinsame Streiks mit Beschäftigten, die ebenfalls in Auseinandersetzungen stehen, können ein Signal setzen, dass technischer Fortschritt nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen darf und es sich lohnt, zu kämpfen.
*Angabe dient nur zur Kenntlichmachung der Person