Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen “Kapital”

Roman Rosdolsky (CC BY-SA 3.0)

Roman Rosdolsky im Manifest Verlag

Mit der Neuveröffentlichung im Manifest Verlag wird Roman Rosdolskys „Entstehungsgeschichte des Marxschen Kapital“ (endlich) wieder einem breiten (und neuen) Publikum zur Verfügung gestellt. Rosdolskys Werk sollte dabei nicht als trockene Lektüre für Marx-Forscher*innen verstanden werden, sondern als Waffe im Klassenkampf.

von Jens Jaschik, Dortmund

Lange Zeit nur noch antiquarisch erhältlich, galt Roman Rosdolskys Lebenswerk über die Entstehung des „Kapital“ von Karl Marx als ein Klassiker der Marx-Forschung und des Verständnisses der marxistischen Theorie. Inzwischen sind mehr als 50 Jahre vergangen, seit die „Entstehungsgeschichte“ veröffentlicht wurde. Der Manifest Verlag hat in jahrelanger und mühsamer Arbeit an einer Neuveröffentlichung gearbeitet, die wir jetzt endlich in den Händen halten dürfen. Ausgestattet mit neuen Einleitungen und ergänzenden Texten, bietet dieses Werk die Möglichkeit, Aktivist*innen dabei zu unterstützen, sich mit den Methoden des Marxismus vertraut zu machen.

Roman Rosdolsky selbst schreibt zu seinem Werk: “Die letzte Generation namhafter marxistischer Theoretiker ist zumeist dem Hitlerschen und dem Stalinschen Terror zum Opfer gefallen. Dadurch wurde aber die Weiterbildung des marxistischen Gedankengutes für Jahrzehnte unterbrochen. Unter solchen Umständen glaubt der Verfasser, verpflichtet zu sein, seine Arbeit – wie mangelhaft und unvollkommen sie auch sein mag – dem Leserkreis zu übergeben – in der Hoffnung, dass nach ihm jüngere Kräfte kommen werden, für die die Marxsche Theorie wiederum ein lebendiger Quell der Erkenntnis und der darauf gerichteten Praxis werden wird.”

Warum sich mit der Entstehung des „Kapital“ beschäftigen?

Aber warum sollte man sich ausgerechnet mit der Entstehung des Marxschen „Kapital“ beschäftigen? Handelt es sich bei den drei Bänden des „Kapitals“ nicht um ein abgeschlossenes und in sich geschlossenes Werk? 

Im Nachwort zur zweiten Auflage des „Kapital“ schreibt Karl Marx selbst: „Die im “Kapital” angewandte Methode ist wenig verstanden worden (…)”. Die Lektüre von Rosdolskys Werk hilft uns dabei, die von Marx und Engels entwickelte wissenschaftliche Methode und ihre Anwendung zu verstehen. Wie ist Marx aus der Analyse der bürgerlichen Ökonomie, der Auswertung von Statistiken und Zeitungsberichten und -kommentaren zu den Schlussfolgerungen gekommen, die er uns im „Kapital“ präsentiert? Rosdolsky untersucht den Weg, den Marx gegangen ist, und reproduziert aus dem „Rohentwurf“ des „Kapital“ und Marx’ Notizen und Briefen die Anwendung von Marx’ dialektisch-materialistischer Methode. 

Die Lektüre der Entstehungsgeschichte hilft uns also auf mehrfache Art und Weise: Erstens gibt sie uns ein tieferes Verständnis über die Mechanismen des Kapitalismus, die Marx im „Kapital“ ausarbeitet, und zweitens lernen wir die dialektisch-materialistische bzw. die historisch-materialistische Methode in ihrer Anwendung auf ihrem Kerngebiet: der Kritik der politischen Ökonomie bzw. der Kritik der „Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft“ (Marx, Vorwort von “Zur Kritik der Politischen Ökonomie“). Sie bietet keine letzten Antworten auf alle Fragen, aber sie hilft uns, selbstständig die Entwicklung des Kapitalismus im 21. Jahrhundert zu analysieren und zu verstehen.

Abschließend bildet die Kritik der kapitalistischen Gesellschaft in ihren elementaren Zusammenhängen die Grundbasis für die Entwicklung unseres sozialistischen Programms. Marx leitet sein „sozialistisches Zukunftsbild aus der Erkenntnis der bestehenden Gesellschaftsordnung, aus der Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse“ (Rosdolsky) her. Marx’ Methode zeigt sich „als eine Methode, die ebenso sehr die Bedingungen des Bestehens, als auch die historischen Schranken des Kapitalismus erforschen will, und deren sozialistische, auf den Umsturz gerichtete Schlussfolgerungen“ (Rosdolsky). Marx bezeichnete „Das Kapital“ als das „furchtbarste Missile“, das der Bourgeoisie an den Kopf geschleudert worden ist. In diesem Sinne ist Rosdolskys „Entstehungsgeschichte des Marxschen Kapital“ ebenso ein Geschoss gegen den Kapitalismus.

Jetzt hier bestellen!