Sozialismustage are back!

3 Tage, 27 Veranstaltungen, mehr als vierzig Redner*innen – das waren die Sozialismustage 2026

Nach sieben langen Jahren fanden die bundesweiten Sozialismustage wieder in Berlin statt – und wurden begeistert aufgenommen: 350 Menschen nahmen über das Osterwochenende an den Podiumsdiskussionen, Veranstaltungen und Vernetzungstreffen teil. Und eines steht schon fest: Auf die nächsten Sozialismustage müssen wir keine sieben Jahre warten!

Von Aleksandra Setsumei, begeisterte Teilnehmerin und Mitglied der Sol Aachen

In einem vollen Saal starteten die Sozialismustage mit der Premiere des Sol-Films, in dem wir erklärten, wer wir sind und wofür wir kämpfen. (Den Sol-Film könnt Ihr schon bald auf dem Sol YouTube-Kanal online sehen).

Die Auftaktveranstaltung stand unter dem Motto „Gegen Krise, Krieg und Kapitalismus – Für Sozialismus!“ „Alle Krisen des Kapitalismus aufzuzählen, würde den Rahmen des Abends sprengen“ leitete Chiara Stenger ihre Moderation ein. Es ist schwer, 18 Jahre alt zu sein, erklärte Jay Ewert, Linksjugend- und Sol-Mitglied aus Berlin, denn seit dem Augenblick des politischen Bewusstseins „folgt eine Krise auf die nächste“. Tosenden Applaus erhielt Thorsten Donnermeier, IG Metall-Vertrauensmann bei Volkswagen in Baunatal, als er gegen Standortlogik und Sozialpartnerschaft sprach. Während mehr und mehr Autokonzerne Fabriken auf Kriegsproduktion umstellen, unterstrich Thorsten die Notwendigkeit von sinnvoller Produktion. Vor Militarismus und steigender Kriegsgefahr warnte Ulrike Eifler, Gewerkschafterin und Mitglied im Parteivorstand der Linkspartei: „Die Gräber der Gefallenen des nächsten Krieges, die tragen unsere Namen, nicht die Namen der Kriegstreiber.“ Gleichzeitig schade die aktuelle Aufrüstungspolitik der arbeitenden Bevölkerung schon jetzt, da Aufrüstung immer mit Kürzungen verbunden sei. Die Linke müsse deshalb die Arbeiter*innenklasse zum Bezugspunkt der Parteiarbeit machen.

Auf die aktuelle Lage in der Bundesrepublik und die anstehenden Kürzungen und Angriffe der regierenden ging Tom Hoffmann von der Sol-Bundesleitung ein: „Lasst uns warm anziehen und Boxhandschuhe rausholen!“ – schlussfolgerte er. Und: „Wir brauchen Massenorganisationen. […] Wir müssen mehr Kämpferinnen und Kämpfer werden!“

Globale Organisation gegen globales System

Einer der Kerngedanken des Sozialismus war stets der Internationalismus – die Bemühung, dem global agierenden kapitalistischen System eine global organisierte Arbeiter*innenschaft entgegenzusetzen. Dem Prinzip waren die Sozialismustage eine internationale und internationalistische Veranstaltung. Es nahmen Redner*innen und Gäste aus England, Frankreich, Schottland, Österreich, den Niederlanden, Israel/Palästina, dem Iran, Syrien, der Türkei und sehr viele Teilnehmer*innen mit Migrationshintergrund teil.

Feurig startete Cécile Rimboud, Mitglied von Gauche révolutionnaire, der französischen Schwesterorganisation der Sol, mit dem Ausruf: „Lasst uns Macron das Leben zur Hölle machen!“ Über die Verbrechen des Imperialismus berichtete Maksim Mershed, syrischer Marxist und Mitglied der Iskra-Gruppe. Doch hoffnungslos macht ihn das nicht, denn die Schlussfolgerung der Iskra lautet: „Wer an einer Revolution teilnehmen möchte, ist in der richtigen Zeit geboren.“ Michael Gruvin, Mitglied der „Bewegung Sozialistischer Kampf“ in Israel und Palästina sprach über den Horror des Irankrieges und des Massakers an den Palästinenser*innen in Gaza: „Bomben können Träume zerstören, aber sie können nicht die Wünsche von Millionen im Nahen Osten nach Freiheit vom Imperialismus unterdrücken.“ Abschließend sprach Hannah Sell, Generalsekretärin der Socialist Party in England und Wales, über die Fäulnis des Kapitalismus und urteilte: „Das System ist reif für den Sturz“.

Linke Debatten

In dem Geiste fanden am Samstag und Sonntag vielfältige Diskussionen statt. In fünf bis sechs parallel stattfindenden Veranstaltungen wurden politische, internationale, historische, theoretische und praktische Themen vertieft. Von Marxismus und Klimawandel über die Analyse der DDR bis hin zum Kampf gegen Rechts – für jeden und jede war etwas dabei. Doch die Sozialismustage sind mehr als ein reiner Austausch – wir möchten einen Beitrag zur Debatte und Vernetzung linker Kräfte leisten. Deshalb organisierten wir Podiumsdiskussionen mit Vertreter*innen linker Organisationen, in denen wir Differenzen, Gemeinsamkeiten und gemeinsame Aktivitäten diskutieren konnten. So debattierten wir mit Vertreter*innen von Widersetzen und dem BAK Klassenkampf in der Linksjugend über Strategien im Kampf gegen die AfD, mit Linksjugend-Mitgliedern über den Aufbau eines sozialistischen Jugendverbands, mit einer Unterstützerin von Marx21 über den Aufbau der Linkspartei, mit iranischen Aktivist*innen über die Lage in ihrer Heimat und mit Mitgliedern der Arbeiter*innenpartei der Türkei (TİP) über Klassenkämpfe in der Türkei und die Rolle der TİP. Außerdem stelle Fabian Goldmann sein neu im Manifest-Verlag erschienenes Buch “Staatsräsonfunk” vor und es gab eine rege Diskussion über die Rolle der deutschen Medien und die Staatsräson.

Highlight dieser Debatten war sicherlich die Podiumsdiskussion am Samstagabend. Vertreten durch unseren Bundessprecher, Sascha Staničić, diskutierten wir mit Nina Bömelburg und Vedi Emde die Frage: Die Linke zwischen Regierungsbeteiligung und Klassenkampf – Welche Partei brauchen wir? Sascha führte die Notwendigkeit des Aufbaus einer Arbeiter*innenpartei im Kampf für den Sozialismus aus. Doch es bestehe die Gefahr, dass Die Linke das durch ihren Aufschwung entstandene Potenzial verspielt. Dabei dürfen Parteilinke nicht nur kritisieren, sondern müssen um diese Partei kämpfen: „Wir dürfen Die Linke nicht den Gysis und Ramelows überlassen!“

Nina, Kreisvorsitzende im Kreisverband Vulkaneifel und Spitzenkandidatin der Linken für die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, hielt eine starke Rede, in der sie die Chancen der Linkspartei betonte. Die Linke müsse aber aufhören, nur defensive Forderungen zu stellen – sie müsse offensiv Verbesserungen fordern: „Gutes Leben für alle, nicht nur für einige Wenige!“. Vedi, Mitglied des Bezirksvorstands der Linken Neukölln erhielt begeisterten Applaus für ihre Positionierung zur „Antisemitismusdebatte“: „Nicht das Existenzrecht Israels ist akut bedroht, sondern das palästinensische Leben und die Existenz von Palästina.“ Sie forderte eine Demokratisierung der Partei: „Basis is boss!“

Darauf folgte eine lebhafte Debatte mit 16 Beiträgen aus dem Publikum. Viele erzählten von ihren Erfahrungen aus der Linke-Arbeit, stellten Fragen oder präsentierten ihre Meinung. Am Ende stand eines fest: Ohne Die Linke wäre Deutschland dunkler. Die Linke darf aber nicht zur Verteidigerin des Status quo werden, sondern muss das kapitalistische System herausfordern. Dazu schlug Sascha Staničić vor, eine neue Vernetzung von Parteilinken auf den Weg zu bringen, was bei vielen Teilnehmenden auf eine positive Resonanz stieß.

Armee des Sozialismus aufbauen!

Trotz der vielen Horrormeldungen, Kriege und Krisen waren die Sozialismustage eine Hoffnungsstiftende und motivierende Veranstaltung. Denn, wie eine Teilnehmerin es ausdrückte, es ist nicht naiv, optimistisch zu sein. Sozialist*innen sind davon überzeugt, dass die Arbeiter*innenklasse die Welt verändern kann. Deshalb trug unser Abschlussplenum den Titel „Eine Kraft für Revolution und Sozialismus aufbauen“. Dort stellten Vertreter*innen des Komitees für eine Arbeiter*inneninternationale (CWI) aus verschiedenen Ländern unser Programm und unsere Methoden vor. Tony Saunois, Generalsekretär des CWI, sprach von dem tobenden Klassenkrieg und der Notwendigkeit, die Armee des Sozialismus aufzubauen. „Der Kapitalismus beutet nicht nur aus, er spaltet.“ fasste Sonja Grusch, Mitglied der Sozialistische Offensive in Österreich, in ihrer Analyse die Verzahnung von Kapitalismus, Rassismus und rechter Hetze zusammen. Davon, dass wir siegen können, überzeugte Berkay Kartav, Mitglied des Vorstands der Socialist Party in England und Wales, mit dem Beispiel der Russischen Revolution, dem historischen Sieg der Arbeiter*innen über das Kapital. Er endete mit dem Aufruf: „Investiert mehr, auch von eurem Geld, aber vor allem von eurer Zeit und eurer Energie, in den Aufbau einer sozialistischen Alternative!“ Abschließend sprach Angelika Teweleit aus der Sol-Bundesleitung. Sie führte unsere Methoden und unsere Erfolge aus. Und noch einmal – denn es kann nicht oft genug wiederholt werden – forderte sie alle auf, der Sol beizutreten – und damit auch dem Kampf für „365 Sozialismustage im Jahr“.

Nach drei intensiven Tagen und dem gemeinsamen Singen der Internationale fuhren wir dann, den Kopf voller Eindrücke und neuer Ideen, motiviert nach Hause.

Für uns Sol-Mitglieder, die monatelang diese Veranstaltung vorbereitet haben, erwiesen sich die Sozialismustage als voller Erfolg. Fast zwei Drittel der Teilnehmenden waren keine Sol- oder CWI-Mitglieder. Ein Mitglied aus Mainz fasste zusammen: „Vor allem hat mich gefreut, wie viele verschiedene Leute da sind; Leute, die neu sich politisieren, aus der Linken, solid, Gewerkschaften, die sich mit unseren Ideen beschäftigen. Aufwärtsstimmung!“ Insbesondere freuen wir uns über die fünfzig Menschen, die sich weiter mit der Sol beschäftigen wollen, und über die sieben neuen Mitglieder, die noch während der Sozialismustage ihren Beitritt erklärten.

Die Sozialismustage werden auch 2027 wieder stattfinden. Ort und Termin werden bald auf solidaritaet.info veröffentlicht!