Lebendige Diskussion um den Kampf gegen Sexismus und für Gleichberechtigung
Obwohl der Wintereinbruch in Niedersachsen die Anreise für viele Genoss*innen verkomplizierte, nahmen knapp fünfzig Sol-Mitglieder am frauenpolitischen Seminar der Sol teil, das am zweiten Januarwochenende in Berlin stattfand. Für diejenigen, die aufgrund der Wetterlage gar nicht anreisen konnten, wurde kurzerhand eine Möglichkeit zur Online-Teilnahme geschaffen.
Von Daniela Weber, Dortmund
Ziel war es, Genoss*innen bundesweit zusammenzubringen, um unser Programm und unsere Herangehensweise im Kampf gegen Sexismus und für Gleichberechtigung, aber auch die konkrete Förderung und Gewinnung von Genossinnen, zu diskutieren. Frauen sind häufig von doppelter Belastung durch Lohnarbeit und Sorgearbeit betroffen und haben es deshalb oft schwerer, politisch aktiv zu werden. Auch in der Sol gibt es – wie in fast allen Organisationen – kein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Dem haben wir begonnen, mit bewussten Maßnahmen entgegenzuwirken, was in mehreren Ortsgruppen auch schon eine positive Veränderung der Geschlechterzusammensetzung zur Folge hatte.
In den Veranstaltungen an diesem Wochenende ging es unter anderem um Themen, die wir in unserem neuen Programm für den Kampf gegen Sexismus und für Gleichberechtigung aufgreifen, das aktuell erarbeitet und in den kommenden Monaten erscheinen wird.
Es wurde ein Licht auf die weiterhin bestehende, vielfältige Benachteiligung von Frauen geworfen, ob am Arbeitsplatz oder auch in Bereichen wie der medizinischen Forschung und Versorgung. Ein Bestandteil der Diskussionen waren die aktuellen weltweiten Angriffe auf die Rechte von Frauen, bei denen in der Vergangenheit erkämpfte Errungenschaften wieder rückgängig gemacht werden sollen. Hintergrund dafür sind auch die kapitalistische Krise und die bereits erfolgten sowie drohenden Kürzungen, welche insbesondere Frauen aufgrund ihrer doppelten Belastung am härtesten treffen.
In Workshops diskutierten wir verschiedene Themen, wie Erwerbs- und Sorgearbeit, Gewalt gegen Frauen, Prostitution, unsere Haltung zu Identitätspolitik, der Umgang mit Sexismus in der Arbeiter*innenbewegung sowie die Ursachen von Frauenunterdrückung mit der Entstehung von Privateigentum und Klassengesellschaft. Grundlegend ist für uns der Kampf gegen Verschlechterungen und für Verbesserungen für Frauen untrennbar mit dem Kampf für die Überwindung des Kapitalismus verbunden. Denn sexistisches Verhalten gedeiht weiterhin in der kapitalistischen Gesellschaft.
Es wurde bilanziert, dass die Frauenbefreiung im Kapitalismus immer an Grenzen stößt und die Frauenfrage daher immer als Klassenfrage betrachtet werden muss. Das bedeutet für uns, dass wir im Hier und Heute den Kampf gegen Benachteiligung und Sexismus führen, aber diesen immer mit einer sozialistischen Perspektive verknüpfen.


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