Die Linke: Anpassung bekämpfen

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In Landesregierungen unterstützt Die Linke Waffenlieferungen an die Ukraine

Am 23. Januar reichten mehrere Landesregierungen eine Entschließung in den Bundesrat ein, die militärische Unterstützung und Waffenlieferungen an die Ukraine forderte und am 30.1. beschlossen wurde. 

von Sascha Staničić, Sol-Bundessprecher und Linke-Mitglied

In Punkt 6 dieser Entschließung heißt es: „Der Bundesrat hält es gerade vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Konflikte und Bedrohungslagen umso mehr für erforderlich, dass Deutschland gemeinsam mit der Europäischen Union sowie mit internationalen Partnern die militärische, humanitäre, finanzielle und politische Unterstützung fortsetzt und, wo notwendig, verstärkt. Dabei ist die Unterstützung der Ukraine zugleich ein Beitrag zur Sicherung der europäischen Friedens- und Sicherheitsordnung.”

Zu den diese Entschließung einbringenden Bundesländern gehörten Bremen und Mecklenburg-Vorpommern – die Bundesländer, in denen Die Linke Teil der Regierungskoalitionen ist (in Bremen mit SPD und Grünen, in Mecklenburg-Vorpommern nur mit der SPD).

Bruch mit Parteiprogramm

Diese und andere Formulierungen des Bundesratsbeschlusses markieren einen Bruch mit der Beschlusslage der Linken und stehen im Widerspruch zu den antimilitaristischen Grundsätzen der Partei. Es ist nicht das erste Mal, dass die Vertreter*innen der Linken in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gegen das geltende Programm und die Beschlusslage der eigenen Partei verstoßen. So hatten sie im letzten Jahr im Bundesrat der Aufhebung der Schuldenbremse für die massive Steigerung der Rüstungsausgaben genauso zugestimmt, wie der Senkung der Körperschaftssteuer.

Innerparteiliche Kritik 

Das führte damals zu heftiger Kritik innerhalb der Partei und vielen an die verantwortlichen Linke-Minister*innen gerichteten Rücktrittsforderungen. Auf dem Chemnitzer Bundesparteitag verhinderte dann eine Intervention der Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner einen solchen Beschluss, indem sie persönlich versprach, dass solche Entscheidungen entgegen den Beschlüssen der Partei nicht mehr vorkommen werden. Im beschlossenen Leitantrag des Chemnitzer Parteitags heißt es: „Es ist wichtig, dass wir bei Entscheidungen von besonderer Bedeutung frühzeitig beraten, wie wir vorgehen, unsere Abwägungen transparent machen und uns auf gemeinsame inhaltliche Positionen beziehen. […] Wir werden bis Herbst Vorschläge für verbindliche, gemeinsame Entscheidungsprozesse zwischen unseren Akteur*innen entwickeln.“

Es stellt sich nun die Frage, ob es solche gemeinsamen Beratungen zwischen Parteiführung und den Landesverbänden bzw. den Linke-Regierungsmitgliedern in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gab und man sich in dem Abstimmungsverhalten einig war, oder ob dieser Parteitagsbeschluss ignoriert wurde.

Lehren ziehen!

Es ist genau eine solche Politik, die die Krise der Linkspartei verursacht hatte, in der die Partei bis zur Ausrufung von vorgezogenen Neuwahlen zum Bundestag Ende 2024 steckte: eine Politik der Anpassung an das prokapitalistische Establishment, vor allem in Koalitionen mit SPD und Grünen auf Landesebene, sodass Die Linke wie der linke Teil des Establishments wirkt, der sich nicht grundlegend von den anderen Parteien unterscheidet. Sollte sich dieser Kurs fortsetzen, wird der Aufstieg der Partei nicht von langer Dauer sein und die nächste Krise so sicher kommen, wie morgens die Sonne aufgeht. Nun ist eine klare Haltung des Parteivorstands gefragt, um deutlich zu machen, dass Programm und Parteitagsbeschlüsse nicht auf dem Altar der Regierungsbeteiligung mit prokapitalistischen Parteien geopfert werden. Der Parteivorstand muss erklären, dass Die Linke Waffenlieferungen und Aufrüstung ablehnt und die Vertreter*innen der Linken in den Landesregierungen gegen das Programm der Partei gehandelt haben und die verantwortlichen Senator*innen, Minister*innen und weiteren Amts- und Mandatsträger*innen, die an dem Prozess beteiligt waren, deutlich kritisieren. Es sollte außerdem endlich eine kritische Bilanzdiskussion der Regierungsbeteiligungen auf allen Ebenen der Partei, einschließlich des nächsten Bundesparteitags, geführt werden, um daraus Konsequenzen abzuleiten. Diese sollten sein: keine Regierungsbeteiligung mit SPD und Grünen und keine Tolerierung von pro-kapitalistischen Regierungen – auch nicht in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin nach den Landtagswahlen in diesem Jahr.

Enttäuschte Parteimitglieder sollten nicht resignieren, sondern der Sol beitreten, um die marxistischen Kräfte zu stärken, und mit uns und anderen auf dem linken Parteiflügel gegen diese Anpassungstendenzen kämpfen.

Solidarität mit Martha Chiara!

Am Abend des 23. Februar wurde bekannt gegeben, dass die Landesschiedskommission der Linken Thüringen der Linksjugend-Bundessprecherin Martha Chiara Wüthrich ihre Parteiämter und Mitgliedsrechte für eine Dauer von zwei Jahren entzogen hat. Wir verurteilen diesen und andere bürokratische Angriffe auf linke, antiimperialistische Positionen.

Grund für das Verfahren gegen Martha Chiara war ein öffentlicher Post ihrerseits, in dem sie die Situation in Gaza mit dem Holocaust verglich. Sie nahm diese Aussage jedoch schnell zurück und löschte sie aus dem Internet. Wir finden solche Vergleiche kritikwürdig, sind aber der Meinung, dass sie den Entzug der Mitgliedsrechte nicht rechtfertigen. Der rechte, pro-israelische Flügel in der Partei hat diese Aussage genutzt, um eine unliebsame Stimme in der Partei zum Schweigen zu bringen. 

Es ist nötig die Solidaritätskampagne für Martha Chiara weiterzuführen und auszuweiten und weiter darum zu kämpfen, dass Die Linke eine unmissverständliche Position in Solidarität mit dem palästinensischen Volk einnimmt. Der Parteivorstand muss aufgefordert werden, zu diesem Vorgehen nicht zu schweigen, sondern sich solidarisch mit Martha Chiara zu positionieren.

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