Tarifrunde mit Kampf gegen Job- und Sozialkahlschlag verbinden
Am 1.11. endet die Friedenspflicht in der Metallindustrie. Die Tarifrunde findet vor dem Hintergrund massiver Arbeitsplatzvernichtung und harter Angriffe der Kapitalseite und ihrer Bundesregierung statt. Die IG Metall muss die Streikfähigkeit nutzen, um dem Klassenkampf von oben mit Klassenkampf von unten zu begegnen.
von Ursel Beck, IGM-Mitglied und aktiv im Metallertreff Stuttgart
Die Forderung der IG Metall von fünf Prozent reicht nicht aus, um die Reallohnverluste auszugleichen. Doch darüber hinaus redet die IG‑Metall-Führung bereits seit Beginn der Diskussion über die Forderungen davon, dass es diesmal sehr schwierig sei und es „differenzierte“ Lösungen geben müsse.
Nein zu „Differenzierung“
Bereits jetzt gibt es mit den sogenannten „Tarifverträgen zur Beschäftigungssicherung“ jede Menge Abweichungen nach unten. In der diesjährigen Tarifrunde will die IG‑Metall-Führung über das sogenannte T-Geld eine weitere Differenzierung vereinbaren. Das T-Geld ist eine tarifliche, nicht tabellenwirksame Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent des individuellen Monatslohns. Bereits jetzt müssen es nur Unternehmen mit einer Umsatzrendite von über 2,3 Prozent bezahlen. Beschäftigte in boomenden Branchen wie der Rüstungsindustrie sollen über das T-Geld einen Aufschlag bekommen. Den anderen droht ein Reallohnverlust. Das muss verhindert werden.
Höhere Löhne statt höhere Renditen
Zugeständnisse an die Kapitalist*innen rechnen sich nicht. Ja, der Absatz in der Autoindustrie geht zurück. Aber allein VW, BMW und Mercedes haben zusammen noch einen Nettogewinn von 19 Milliarden Euro im Jahr 2025 gemacht und 8,7 Milliarden Dividende an die Aktionär*innen ausgeschüttet. Trotz weiterer Umsatzrückgänge im ersten Halbjahr 2026 weisen die deutschen Autokonzerne 13 Milliarden Euro Gewinn aus. Das reicht den Autobossen und Aktionär*innen nicht. Die Renditen sollen sich verdoppeln und verdreifachen – auf Kosten der Beschäftigten.
Die Absatzkrise ist eine kapitalistische Überproduktionskrise. Sie darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten und der Gesellschaft ausgetragen werden, weder hier noch international.
Druck von unten nötig
Anstatt stundenweisen Warnstreiks, sollte direkt mit flächendeckenden 24‑h‑Warnstreiks, wie sie 2018 zuletzt durchgeführt wurden, losgelegt werden. Damals waren 500.000 Kolleg*innen im Ausstand. Das zeigt das riesige Potenzial an Kampfkraft.
In einer Resolution Ende Juni stellten die kämpferischen IG‑Metall-Vertrauensleute bei Mercedes-Untertürkheim fest: „Wenn die Gewerkschaftsspitzen sich zieren, dann machen wir das selbst.“
Diese Aufgabe stellt sich inmitten einer Tarifrunde, in der die IG‑Metall-Führung schon vor den Verhandlungen Kompromissbereitschaft zeigt. Wenn Vertrauensleute in einem Betrieb wie Untertürkheim und anderen ihre Kolleg*innen beispielsweise in einen 24-stündigen Warnstreik führen, das mit einer kämpferischen Demonstration verbinden, andere Kolleg*innen dazu auffordern, es ihnen gleichzutun, könnte das die IG-Metall-Führung schon zu Beginn enorm unter Druck setzen. Verbunden werden müsste das mit der lautstarken Forderung nach einer Urabstimmung für Erzwingungsstreik, um die Forderung voll durchzusetzen und den Bossen zu zeigen, wie stark die Belegschaften sind.
Ein Erzwingungsstreik in der Metallindustrie könnte ein Instrument zur Ausweitung des Widerstands werden, um mit anderen Branchen und Gewerkschaften Arbeitsniederlegungen bis hin zu einem bundesweiten eintägigen Generalstreik gegen den Generalangriff aus den Chefetagen der Konzerne und der Bundesregierung zu organisieren. Eine solche Machtdemonstration würde Bossen und Regierung die Grenzen ihrer Macht aufzeigen.