Marxismus im Ländle

Sol-Gruppe baut sich in Offenburg auf

Die Sol ist seit diesem Sommer auch mit einer Gruppe im badischen Offenburg vertreten. Sarah Wiedmann und Leo Brillet sprachen mit der „Solidarität“ über ihre Arbeit vor Ort.

Hi Sarah, hi Leo! In Offenburg gibt es seit Juni 2026 eine Gruppe der Sol, die ihr mit aufbaut. Wie kam es dazu?

Leo: Über das Linke-Sommercamp haben wir erste Interessent*innen aus Offenburg kennengelernt. Daraufhin haben wir dort zwei Veranstaltungen organisiert, in denen wir die Sol, unser Programm und das, was wir die doppelte Aufgabe nennen, vorstellen konnten: die Notwendigkeit, vor der Marxist*innen heute stehen, sowohl breite Organisationen der Arbeiter*innenklasse als auch eine revolutionär-sozialistische Organisation aufzubauen. Eine marxistische Organisation ist immer noch der Schlüssel zur Veränderung der Welt, aber die Idee des Sozialismus ist weniger verbreitet und weniger Menschen sind überhaupt gewerkschaftlich oder politisch organisiert als früher. Entsprechend sehen wir die Arbeit im Linke-Kreisverband und den Aufbau der Sol-Ortsgruppe nicht als Widerspruch, sondern im Gegenteil beide als notwendig. Wir konnten daraufhin in Offenburg mehrere Genoss*innen gewinnen und zufälligerweise bin ich aus beruflichen Gründen in die Nähe gezogen. Wir sind jetzt zu sechst und organisieren wöchentliche Ortsgruppentreffen. 

Was habt ihr in den letzten Wochen gemacht und was sind eure Pläne bis Jahresende?

Leo: Wir haben unter anderem beim diesjährigen Sommercamp der Linken Baden-Württemberg mehrere Workshops angeboten, eine antimilitaristische Kundgebung mitorganisiert, Infostände gemacht, einen marxistischen Lesekreis mit der Linksjugend gebildet. Für den Rest des Jahres orientieren wir unsere Arbeit auf die Proteste gegen die Sozialkürzungen und gegen die Militarisierung und auf das Zusammenbringen dieser Proteste. Außerdem ist es unser Ziel, Ende des Jahres von der Sol-Bundeskonferenz als Ortsgruppe anerkannt zu werden. Dafür arbeiten wir an strukturierter Aufgabenverteilung und an Mitgliedergewinnung. Vielleicht können wir auch weitere Genoss*innen in der Nähe bei ihrer Aufbauarbeit unterstützen. 

Mit welchen Vorschlägen bringt ihr euch in die Partei ein? 

Sarah: Wir machen uns dafür stark, dass die Linke zu einer Klassenpartei der Arbeiter*innen wird, ihr antikapitalistisches Profil stärkt, hin zu einer kämpferischen und sozialistischen Politik.

Dafür bringen wir uns auf unterschiedlichen Ebenen der Partei ein. Kurz nach unserer Gründung im Juli waren wir zum Beispiel zusammen bei der Links-Aktiv-Konferenz für den Bezirk Südbaden. Dort haben wir durch unsere Beiträge deutlich gemacht, dass wir nicht bei Linke-Hilft-Aktionen und einzelnen Demos gegen die Sozialkürzungen stehen bleiben dürfen, sondern dies mit Kritik am bestehenden System und der Notwendigkeit einer sozialistischen Alternative verbinden müssen.

Leider war unser Kreisverband im Sommer nicht sehr aktiv und es gibt interne Debatten, die wir führen müssen. Das bedeutet für uns aber, dass wir zurzeit die Mobilisierung für Demos gegen den Sozialraub und gegen die Wehrpflicht & Militarisierung mit unserer Beteiligung in der AG „Krieg dem Krieg“ der Linken und der Linksjugend durch Kundgebungen und Infostände nur mit sehr wenigen anderen Genoss*innen tragen. 

Außerdem planen wir gerade ein Treffen zur Vorstellung der sozialistischen Vernetzung in der Linken und zur Mobilisierung zu deren Gründungskonferenz. Gleichzeitig darf politische Bildung nicht untergehen. Dafür setzen wir uns in der Linksjugend unter anderem durch Vorträge, beispielsweise über die marxistische Faschismusanalyse und wie wir die AfD richtig bekämpfen können, ein.

Sarah, du sitzt für Die Linke im Gemeinderat. Worin siehst du Deine Aufgabe dort?

Sarah: Ich sehe die Kommunalpolitik als ein zentrales Politikfeld, um sich in der Bevölkerung zu verankern und mit ihr eine sozialistische Linke von unten aufzubauen. Neben der Beteiligung in Gewerkschaften ist die Kommunalpolitik der Ort, bei dem man die Lohnabhängigen bei ihrer Lebensrealität und konkreten Missständen vor der Haustür abholen, organisieren und zeigen kann, dass es linke Alternativen zu der von den bürgerlichen Parteien praktizierten Sparpolitik gibt.

Das bedeutet für mich, dass ich mein Mandat im Gemeinderat als Mittel sehe, um sozialistische Ideen in den Diskurs einzubringen und aufzuzeigen, dass es auch anders gehen kann. Dabei orientiere ich mich an den Bedürfnissen der Menschen und stelle mich gegen die sogenannten Sachzwänge der Kommunen. Da ich die einzige linke Stadträtin im Offenburger Gemeinderat bin, stehen mir leider nur begrenzte Mittel zur Verfügung. Diese nutze ich, um unser Programm und unsere Positionen auf kommunaler Ebene besser zum Ausdruck zu bringen, um auch langfristig eine größere Rolle bei kommunalen Kämpfen spielen zu können.

Dabei ist die Arbeit im Gremium niemals ein Selbstzweck, denn die wahre Kommunalpolitik sollte sich nicht in einem Saal, sondern mitten in der Stadt, in sozialen Bewegungen, Selbstorganisationen der Bevölkerung und im Widerstand abspielen. Um nicht von dem Mandat im Gemeinderat abhängig zu werden oder persönliche Vorteile daraus zu ziehen, fließen alle meine Einnahmen daraus direkt in die weitere politische Arbeit.