Missbrauch und kapitalistische Seilschaften

No Kings Proteste in den USA (Geoff Livingston from DC, USA, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons)

Epstein-Files zeigen Sexismus und Dekadenz der Herrschenden

Ende 2025 erschütterte die Veröffentlichung der sogenannten “Epstein-Files” die internationale Öffentlichkeit. In diesen Akten befanden sich tausende E-Mails, Videos, Fotos und weitere Dokumente, in großen Teilen durch das US-Justizministerium unter Präsident Trump geschwärzt.

von Mara Luise Günzel, Leipzig

Diese Schwärzungen und die nur zögerliche Veröffentlichung seitens der US-Regierung sollen wohl Präsident Trump und andere Mitglieder der herrschenden Klasse schützen, denn in diesen Dokumenten finden sich die Beweise für einen systematischen Handel mit Frauen und Mädchen, vollzogen durch ein globales Netzwerk, welches bei dem Finanzier Jeffrey Epstein zusammenlief. Diese Frauen und Mädchen wurden meistens auf dessen Privatinsel, Little Saint James, zu sexuellen Dienstleistungen für Gäste Epsteins gezwungen. Im Umgang mit den Epstein-Files werden die Rechte und Bedürfnisse dieser Opfer nicht in den Mittelpunkt gestellt. Teilweise wurden zum Beispiel ihre Identitäten veröffentlicht.

Von Musk bis Trump

Zu Epsteins Gästen gehörten die Reichen und Mächtigen dieser Erde. Von Firmenchefs wie Elon Musk, Parteibürokraten wie Peter Mandelson bis hin zu Staatschefs wie dem ehemaligen norwegischen Premierminister Thorbjørn Jagland oder (Ex-)US-Präsidenten Donald Trump und Bill Clinton. Sie alle kannten sich, verbrachten zusammen Zeit. Nicht jeder Gast Epsteins war zwangsläufig an dem Missbrauch von Frauen und Mädchen beteiligt. Nicht jeder Mensch, der in den Epstein-Files auftaucht, muss auch eine Naheverhältnis zu Epstein gehabt haben, aber erstens muss davon ausgegangen werden, dass es viele waren und wahrscheinlich noch mehr darüber Bescheid wussten. Zweitens zeigen die Files, wie die Reichen und Mächtigen eine gefährliche Parallelgesellschaft bilden.

Dass Firmenchefs und ihre Verbündeten im Staat, die pro-kapitalistischen Politiker*innen und Staatsbeamt*innen, klüngeln ist kein Geheimnis. Die Verstrickungen der kapitalistischen Eliten im Netzwerk Epsteins sind nur ein Beispiel für Beeinflussung und Korruption durch ”Geschenke”, wie Reisen, Abendessen – oder eben Frauen und Mädchen. Die gemeinsame Teilnahme an dem Missbrauch machte Besucher*innen der Insel erpressbar.

Sexualisierte Gewalt alltäglich

Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt gehören im Kapitalismus zur Tagesordnung. Jede fünfte Frau in den USA hat eine Vergewaltigung überlebt, 82 Prozent berichten von sonstiger sexualisierter Gewalt. Auf offener Straße, im Betrieb und zu Hause – überall machen Frauen Gewalterfahrungen. Auch der Handel mit Frauen ist keine Ausnahme. Von 2020 bis 2022 wurden 3155 Fälle von Menschenhandel in Deutschland identifiziert, meistens werden Frauen aus der neokolonialen Welt in die industriellen Zentren verschleppt und müssen dort unter menschenverachtenden Umständen ihren Körper Freiern zum Konsum zur Verfügung stellen. Die Dunkelziffer dürfte diese Zahl um einiges übersteigen. Die sexualisierte Gewalt an Kindern ist ebenso kein Sonderfall. In den USA berichten zwanzig Prozent aller Mädchen, dass sie diese erlebt haben. 

Seilschaften

Die Epstein-Files zeigen, wie sehr Vertreter*innen der herrschenden Klasse durch Seilschaften Macht, Reichtum und Einfluss erhalten. Aus den veröffentlichten Dokumenten geht beispielsweise hervor, dass Epstein 2016 versucht hat, den Technologie-Mogul Peter Thiel, welcher den Überwachungs- und Rüstungskonzern Palantir gegründet hat, dem damals ehemaligen Premier- und späteren Verteidigungsminister Israels, Ehud Barak, vorzustellen. Palantirs KI-Überwachungssoftware wird mittlerweile von der israelischen Armee in ihrem genozidalen Krieg gegen die Bevölkerung Gazas sowie von der US-Armee bei ihrem Krieg gegen den Iran benutzt. Um an solche Deals zu kommen, versammelten sich die Reichen und Mächtigen gern im Netzwerk Epsteins. 

Was tun? 

Damit Frauen und Mädchen sich nicht aus Not heraus in Geiselhaft verkaufen müssen, braucht es angemessene Löhne, erschwinglichen Wohnraum, einen ausfinanzierten und damit auch freien Zugang zu Bildung und Ausbildung für alle, sowie ein Bleiberecht für alle. Gleichzeitig muss die Macht der Milliardäre gebrochen werden durch Enteignung der großen Banken, Konzerne und Vermögen, um solche Netzwerke ein für allemal zu zerschlagen.