Nein zur Rüstungsproduktion bei VW!

Wärmepumpen und Schienenfahrzeuge statt Panzer!

Interview mit Thorsten Donnermeier, Mitglied des IG-Metall-Vertrauenskörpers bei VW Kassel*

Thorsten, der Volkswagenchef Oliver Blume hat angekündigt, in die Rüstungsproduktion einzusteigen. Was ist der Stand?

Es ist immer die Rede davon, das jetzige Geschäftsmodell trage nicht mehr so richtig. Das Werk Osnabrück wird schon länger im Zusammenhang mit einer Übernahme von Rheinmetall genannt. Oliver Blume hat sich schon mehrfach zum Thema Rüstungsproduktion positiv geäußert.

Volkswagen hat eine Geschichte, die eine breite Blutspur hinter sich herzieht. Erstens wurde VW mit Geldern der Gewerkschaften aufgebaut, die 1933 zerschlagen wurden. Volkswagen wurde außerdem mit Zwangsarbeitern aufgebaut, und zwar nicht als Automobilhersteller, sondern als Rüstungsproduzent. VW hat zu Beginn vielleicht 50 VW Käfer gebaut, ansonsten nur Kriegsproduktion und Kriegsmaterial. Das bekannteste Produkt ist der VW Kübelwagen.

Von der Gewerkschaft IG Metall werden im Betrieb keine Diskussionen über die neuen Pläne geführt. Natürlich wird in Pausenräumen, Raucherräumen und auch Fahrgemeinschaften darüber gesprochen. Und das Erste, an das viele Kolleginnen und Kollegen denken, ist natürlich, wie sie einen sicheren Job behalten können. Wie bekannt, sollen bei VW 35.000 Stellen abgebaut werden. Oliver Blume spricht von 50.000 Stellen. Da gehören Audi und Porsche mit dazu. Da entstehen natürlich Ängste, wie man in Zukunft die Kredite, die Miete und weitere Dinge bezahlen kann. Und jetzt auf einmal in dieser Situation wird uns eben das Thema Rüstungsproduktion hingeworfen.

Wie reagiert die IG Metall auf diesen Vorstoß? 

Die IG Metall ist eine Organisation mit ganz vielen Mitgliedern. Die Gewerkschaftsspitze hält nicht dagegen und zeigt keine Alternativen auf. Doch in der IG Metall gibt es auch Widerstände. Die Vertrauensleute bei Ford Köln haben sich beispielsweise mehrheitlich gegen eine Umstellung auf Rüstungsproduktion ausgesprochen, genauso bei ZF Hannover.

Bei VW werden gerade Unterschriften für diesen Resolutionstext mit kleinen Änderungen gesammelt. Es haben einige Betriebsräte und Mitglieder von Vertrauensleutekörperleitungen von verschiedenen VW-Standorten sowie interessierte Kolleginnen und Kollegen unterschrieben.

Schade ist, dass es nicht offen diskutiert wird. Bisher hat es keine Versammlung oder offene Debatte dazu gegeben. 

Was ist das Ziel der Petition?

In der Petition wird eine breite Debatte gefordert. Das Ziel der Petition und dieser Bewegung ist aber auch, dass die Pläne mit der Rüstungsproduktion vom Tisch sind, also dass bei VW eben keine Rüstungs- und Kriegsproduktion stattfindet.

Gibt es Alternativen zur Rüstungsproduktion?

Ja, die gibt es! Die erste Alternative ist Arbeitszeitverkürzung, und zwar bei vollem Lohnausgleich. Gerade bei den vielen tausend Stellen, die in der Metall- und Elektroindustrie und auch in der Automobil- und Zulieferindustrie derzeit abgebaut werden, könnte mit Arbeitszeitverkürzung die vorhandene Arbeit auf alle verteilt werden. Und wir brauchen Arbeitszeitverkürzung, um gesund zu bleiben!

Es gibt noch weitere Alternativen. Wenn man sich die aktuelle Energiekrise ansieht, dann würde es jetzt im Allgemeinen Sinn machen, Wärmepumpen zu bauen – für jede Wohnung, für jedes Haus, wo das sinnvoll ist.

Während der Corona-Phase hat es an Beatmungsgeräten gefehlt. Meine Arbeitskolleg*innen bei SEAT in Spanien haben in kürzester Zeit geholfen, Beatmungsgeräte zu bauen. Das war so ein Beispiel für die Möglichkeiten zur Produktionsumstellung.

Wer heutzutage mit der Bahn fährt, weiß, wie dramatisch die Situation zum Beispiel ist. Da gäbe es einen hohen Bedarf. Angesichts der Energiekrise, aber auch mit Blick auf die Klimakatastrophe, gäbe es sehr gute Beschäftigungsmöglichkeiten. An der Stelle stellt sich natürlich immer die Frage: Wer entscheidet, was wir produzieren? Wir entscheiden es nicht.

Es entscheiden die Produktionsmittelbesitzer*innen. Wenn man sich die IG-Metall-Satzung unter Paragraf 2, Ziele und Aufgaben, ansieht, steht da: „Überführung von Schlüsselindustrien und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden Unternehmungen in Gemeineigentum“. Das ist praktisch die Lehre auch aus den beiden Weltkriegen gewesen, die Lehre der Arbeiter*innenbewegung.

Wir würden anders entscheiden und nicht Rüstungsmaterial produzieren. Vor ein paar Jahren gab es noch das VW-Werk in Kaluga, in Russland. Das waren unsere Arbeitskolleg*innen. Und jetzt geht es mittlerweile so weit, dass wir Waffen produzieren und die gegenseitig auf uns richten sollen. Stattdessen müssen wir Seite an Seite kämpfen – über Ländergrenzen hinweg, für unsere gemeinsamen Interessen. 

*Funktionsbezeichung dient nur zur Kenntlichmachung der Person