Bericht vom Sommercamp der Linksjugend Bayern
Vom 27. bis zum 30. August veranstaltete die Linksjugend [‘solid] Bayern ihr zweites Sommercamp im idyllischen Deckersberg nahe Nürnberg. Aus verschiedenen Teilen Bayerns kamen junge Genoss*innen zusammen, um sich auszutauschen, gemeinsam zu diskutieren und für einige Tage dem kapitalistischen Alltag zu entkommen. Zwischen Workshops, gemeinsamen Mahlzeiten, Zeit für Kreatives und Gespräche am Lagerfeuer entstand ein Raum für politische Bildung und Vernetzung, vor allem des linken Parteiflügels. Wir haben uns als Sol Genoss*innen rege eingebracht.
von Paul Eringer, München
Politische Bildung
Politische (Weiter-)Bildung stand im Mittelpunkt des Camps. In verschiedenen Workshops konnten sich die Teilnehmenden mit politischen und historischen Themen, wie der Rolle des linken Flügels der Partei, der Münchner Räterepublik oder sozialistischer Kommunalpolitik auseinandersetzen, Gedanken austauschen und gemeinsam darüber diskutieren.
Dabei hielt auch eine Genossin der Sol einen gut besuchten Workshop, bei dem Sozialistischer Feminismus und der Zusammenhang des feministischen Kampfes mit dem Klassenkampf aufgezeigt und diskutiert wurde. Ein anderer Sol Genosse hielt einen Workshop über den Kampf gegen die massiven anstehenden Sozialkürzungen.
Zudem bereicherten weitere Genoss*innen die anderen Workshops mit Redebeiträgen, unter anderem über das historische Beispiel sozialistischer Kommunalpolitik in Liverpool, die Analyse des Faschismus und die Bedeutung der Vernetzung des linken Flügels in der Partei die Linke.
Politische Arbeit auch nach den Workshops
Ein besonderer Wert des Camps lag in der Vernetzung. Linke Jugendliche aus unterschiedlichen Städten und Kreisverbänden quer aus Bayern nahmen teil und waren offen für Gespräche. Ein gemeinsames Camp schafft hierbei die Möglichkeit, sich auch über die eigenen lokalen Strukturen hinaus kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.
Sol-Mitglieder verzichteten auf Wunsch der Camp-Leitung auf das Verteilen von Flyern und Zeitungen. Wir sind diesem Wunsch in dem Fall nachgekommen, um einen Konflikt mit den organisierenden Genoss*innen zu vermeiden und versuchten im direkten Austausch unsere Kritik an dem Beschluss deutlich zu machen. Wir kritisieren trotzdem, dass die Verteilung von Material eingeschränkt wurde und es keine offene Diskussion mit allen Teilnehmenden über dieses Vorgehen gab. Wir verteidigen grundsätzlich das Recht aller Strömungen und linken Organisationen auf Propagandafreiheit, was auch das Verteilen von politischem Material umfasst und werden dies auch weiterhin tun.
Perspektiven für die Linksjugend diskutieren
Die gemeinsame Freizeit war mehr als nur ein angenehmer Nebeneffekt. Dass wir auf das aktive Anbieten von Flyers und Zeitungen verzichteten hielt uns nicht davon ab konstruktive Gespräche mit Interessierten in der freien Zeit zu führen, neue Genoss*innen kennenzulernen und mit diesen über unsere Vorschläge für die Linksjugend und die politische Situation zu diskutieren. Wir argumentierten unter anderem für eine breite Kampagne gegen den aktuellen Sozialkahlschlag, eine Stärkung des linken Flügels in der Partei die Linke durch beispielsweise die neue Initiative “Sozialistische Vernetzung”, eine Fokussierung hin auf die Breite der Arbeiter*innenjugend und mehr Verbandsdemokratie. Dadurch konnten wir Kontakte zu interessierten Jugendlichen knüpfen, unsere Ideen für eine klassenkämpferische und sozialistische Linksjugend vorstellen und die Notwendigkeit einer stärkeren Organisierung des linken Flügels im Verband auf einer klaren inhaltlichen Grundlage diskutieren.
Neben dem politischen Diskurs kam auch die gemeinsame Freizeit nicht zu kurz. Zwischen und nach den Workshops wurde zusammen gekocht, aufgeräumt, Musik gemacht, sowie am Lagerfeuer gesessen. Die idyllische Umgebung bot außerdem Möglichkeit, einfach einmal abzuschalten.
Ein Schritt, auf dem wir aufbauen können
Das zweite Sommercamp der Linksjugend Bayern war ein super Schritt für den weiteren Aufbau des Jugendverbands, ebenso wie für die Sol, die sich daran beteiligt. Wir konnten die Gelegenheit für Vernetzung mit anderen Verbandslinken nutzen, was wir für einen wichtigen Schritt halten, um in Zukunft einen Beitrag zur weiteren Ausrichtung des Verbands auf einen systematischen klassenkämpferischen Kurs zu leisten. Wir freuen uns darauf, auch in Zukunft unsere Ideen einzubringen und uns aktiv am weiteren Aufbau zu beteiligen!
Dass das Wochenende trotz gelegentlicher Regenschauer so produktiv und interessant war, ist dem Orgateam und den fast 80 Genoss*innen zu verdanken, die das ganze organisiert, sowie engagiert und aufgeschlossen an den Workshops teilgenommen haben. Danke!