Faule Gen-Z oder strukturelle Probleme?

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DGB-Ausbildungsreport zeigt Auswirkung der Krise auf Azubis 

Jedes Jahr veröffentlicht der DGB einen Ausbildungsreport, der eine qualitative Befragung mit über 13.000 Auszubildenden in 25 verschiedenen Ausbildungsberufen durchführt. Die Ergebnisse enthüllen dabei nichts Unbekanntes, sondern wiederholen zunehmend die Probleme einer Ausbildung in Zeiten der kapitalistischen Krise. 

von Nele Siehr, Mainz 

Erfasst wurden im Report die Arbeitsanforderungen und -bedingungen von Auszubildenden, wobei der diesjährige Bericht den Schwerpunkt auf mentale Gesundheit legt. 

Harte Arbeit

Die Umfrage kommt zum Ergebnis, dass 35,4 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden machen müssen. Dies stellt einen Anstieg von 3,1 Prozent zum Vorjahr dar. Außerdem ist die Arbeitszeit bei 16,3 Prozent zunehmend mit ausbildungsfremden Tätigkeiten verbunden. Wachsende Teile der Ausbildungszeit sind nicht mehr mit dem Ziel einer zukünftigen Fachkraft verbunden, sondern dienen der unmittelbaren Nutzung als kostengünstige Arbeitskraft oder eben Kaffeebeauftragte*r.

Dazu kommt, dass zwei Drittel der Befragten angeben, schlecht oder gar nicht von ihrer Vergütung selbstständig leben zu können. Kein Wunder, wenn der Lohn von Auszubildenden von hohen Mieten und gestiegenen Lebenshaltungskosten großteils gefressen wird.  Und das geht in einem ersten Schritt davon aus, dass junge Menschen überhaupt einen Ausbildungsplatz finden! Dies wird zunehmend schwieriger, da nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe ausbilden – allein 2026 gab es 35.000 Ausbildungsplätze weniger. Und selbst die abgeschlossene Ausbildung garantiert keine sichere Zukunftsaussicht; mehr als ein Drittel (37,1 Prozent) weiß kurz vor dem Abschluss immer noch nicht, ob sie der Betrieb übernimmt.

Organisierung macht den Unterschied

Bei all diesen Belastungen durch verschiedene Arbeitsanforderungen und -bedingungen ist es nicht verwunderlich, dass die Hälfte der Befragten angibt, psychische Belastungen zu erleben. Das sind keine Befindlichkeiten von individuellen Auszubildenden oder „der faulen Gen‑Z, die nicht mehr arbeiten will“, sondern die konkreten Folgen eines profitorientierten Systems. 

Doch noch etwas Weiteres geht aus dem Ausbildungsreport hervor: Betriebliche Interessenvertretungen machen einen unmittelbaren Unterschied in der Zufriedenheit von Auszubildenden. Doch die bloße Existenz reicht nicht. Gewerkschaften als auch Betriebsräte, Personalräte und JAVs müssen den unmittelbaren Kampf gegen die ständigen Angriffe auf die Interessen von jungen Beschäftigten konsequent aufnehmen.

Forderungen, vor denen die Gewerkschaften nicht zurückschrecken sollten, wären die nach einer Übernahmegarantie, einem Anstieg der Ausbildungsvergütung auf das Niveau des gesetzlichen Mindestlohns und die Forderung, dass Betriebe im Umfang von zehn Prozent der Arbeitsplätze Ausbildungsplätze anbieten müssen. 

Von allein werden diese Forderungen jedoch nicht erreicht. Wir müssen uns auch aktiv dafür in unseren Gewerkschaften und Gewerkschaftsjugenden einsetzen. Nur ein kollektiver Kampf durch Gewerkschaften kann die Interessen von Beschäftigten gegen Profitinteressen und Kapital verteidigen und Verbesserungen erkämpfen.