Frankreich: Bericht der Demonstration in Paris am 17. Oktober

Foto: Gauche Révolutionnaire

Am 17. Oktober strömten weit über 500.000 Arbeiter*innen und Jugendliche in Städten und Gemeinden in ganz Frankreich auf die Straßen, um einen weiteren Schritt im Kampf gegen Macron und die Angriffe der französischen Kapitalist*innen auf den Lebensstandard der Arbeiter*innenklasse zu machen.

Von Martin Powell-Davies

Die Jugend stand erneut an vorderster Front, da Schülerinnen und Schüler sowie Studierende einen beträchtlichen Teil der Demonstrant*innen ausmachten. Auch Arbeiter*innen und ihre Familien nahmen in großer Zahl an den Demonstrationen teil, wobei Gewerkschafter*innen weniger präsent waren, als es nötig gewesen wäre.

In Paris füllte der Demonstrationszug die Straßen hinter der Place de la République vollständig aus, während er sich nach Norden in Richtung Place de Clichy bewegte, und kam dabei wegen der gewaltigen Menschenmassen häufiger zum Stehen. Tausende selbstgemachte Plakate prangerten Macron, Haushaltskürzungen und Polizeigewalt an, und forderten eine angemessene  Bildung und eine Zukunft für die Jugend. Jugendliche kletterten auf Straßenlaternen und Baugerüste, um Transparente und Fahnen zu schwenken, und wurden dafür begeistert bejubelt. „Macron démission“ – „Macron, tritt zurück!“ – hallte es durch die Luft, wie auch weitere Sprechchöre gegen die extreme Rechte und die Polizei.

Auch Anhänger*innen der La France insoumise (LFI) hatten mit Transparenten und Aufklebern mobilisiert, um Maßnahmen gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu fordern und Rückhalt für Jean-Luc Mélenchons Präsidentschaftskampagne 2027 zu gewinnen. Das Großkapital hat bislang keinen Kandidaten gefunden, den es ins Rennen schicken kann und die zuverlässig seine Interessen vertritt. Die Aussicht auf eine Stichwahl zwischen Mélenchon und der rechtspopulistischen Le Pen verstärkt die Angst der Kapitalist*innen vor der wachsenden Welle des Widerstands.

Gleich zu Beginn ging die Bereitschaftspolizei noch aggressiver vor als sonst. Salven von Tränengas hüllten bald die Place de la République ein und zwangen die Menschen, die sich für die Demonstration versammelt hatten, zur Flucht in alle Richtungen. Auch Musiker*innen, die dort Protestlieder spielen wollten, flohen. Selbst die Imbissverkäufer*innen waren gezwungen abzufahren und auch wir mussten unseren Stand vorübergehend verlassen, damit sich unsere Augen und Kehlen erholen konnten.

Macron, Le Pen und die rechte Presse hatten sich offensichtlich für eine Strategie entschieden, indem sie die Unterstützung für die Bewegung durch heuchlerische Gewaltvorwürfe untergruben. Statt über die gewaltigen Massendemonstrationen zu berichten, fokussierten sich die Medienberichte auf den Austausch von Tränengas und Feuerwerkskörpern zwischen einer Minderheit der Demonstrierenden und der Polizei; sowie auf die Wut, die durch eine Minderheit entfremdeter Jugendlicher mit Vandalismus zum Ausdruck gebracht wurde. In einer von Smartphones dominierten Welt wurden einige der offensichtlicheren Fälle gefilmt, in denen Zivilpolizist*innen als Provokateur*innen zu Gewalt und Sachbeschädigung anstachelten, darunter auch ein Angriff auf Feuerwehrleute. Ihre Spaltungsstrategie wird nicht aufgehen, denn die wachsende Wut über die vom Großkapital geforderten Angriffe auf den Lebensstandard ist sehr stark.

Gauche Révolutionnaire (GR), die französische Sektion des CWI, griff mit Flugblättern und Zeitungen tatkräftig in die Proteste ein und legte ein Programm vor, um die Bewegung voranzubringen. In Rouen bildete ein junger GR-Block, in dem sich Mitglieder und neue Unterstützer*innen zusammenfanden, einen der lebendigsten Teile der Demonstration der Stadt. In Paris waren Schüler*innen, mit denen ich gesprochen hatte, von der Idee angetan, dass der 20. November ein europaweiter Streiktag für Schüler*innen und Studierenden werden könnte.

Da Schulen und Universitäten vorerst Herbstferien haben, ist der nächste geplante Aktionstag der 5. November, an dem die Gewerkschaftsverbände erneut zu einem koordinierten landesweiten und eintägigen Massenstreik aufgerufen haben. Besonders daran ist, dass erstmals seit 2023 nicht nur Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, sondern auch Gewerkschafter*innen aus der Privatwirtschaft teilnehmen werden, sodass dieser Streik faktisch zu einem 24-stündigen Generalstreik werden könnte. Das ist eine wichtige Gelegenheit für die Bewegung, um einen weiteren Schritt nach vorne zu gehen, indem ein massiver gemeinsamer Streik von Schüler*innen, Studierenden und Arbeiter*innen aufgebaut wird. GR schlägt vor, darauf eine weitere Eskalation in Form eines gemeinsamen zwei- oder dreitägigen Streiks folgen zu lassen. Die Führungen der Gewerkschaften und der Linken sollten die Verbindungen zwischen allen kämpfenden Bereichen weiter stärken, um eine Bewegung aufzubauen, die die Macht besitzt, sowohl Macron als auch die Austeritäts-Pläne der Kapitalist*innen zu besiegen.

Artikel im englischen Original unter: https://www.socialistworld.net/2026/10/20/france-17-october-paris-protest-report/