„Wir sind laut geworden und haben uns Gehör verschafft”

"Gesellschaft Geschlossen" - Verriegelte Tür der C24-Bank in Mainz

C24-Beschäftigte gehen nicht kampflos

Am 7. Mai wurden die Beschäftigten der C24-Bank plötzlich und ohne Warnung mit einem von der Geschäftsleitung verschlossenen Betrieb konfrontiert. Mittlerweile wurde der Standort offiziell dichtgemacht. solidaritaet.info sprach mit einer betroffenen Person, die bis vor Kurzem dort gearbeitet hat.

Du warst bei der C24-Bank beschäftigt. Wie war die Arbeit dort bislang?

Es war ein sehr flexibler Job, wir waren über dem Mindestlohn und konnten uns frei die Arbeitszeiten einteilen. Die Stimmung war immer gut und es war ein Job, der für mich perfekt in die Lebenssituation gepasst hat.

Da die Arbeitszeiten flexibel waren und Check24 ein internes Ausbildungsprogramm hatte, konnten super viele Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt sonst schwer haben, wie alleinerziehende Mütter, chronisch Kranke oder Menschen, deren Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt wird, dort einen Vollzeitjob finden. Für Menschen, die irgendwie in dieser Gesellschaft benachteiligt sind, war es ein super Job – bis vor ein paar Monaten.

Was ist passiert?

Wie in der Allgemeinen Zeitung berichtet wurde, wurde der Ton rauer. Die Arbeitszeiten wurden strenger reguliert, man musste sich in mehreren Systemen ein- und ausstempeln. Vor kurzem wurden den studentischen Beschäftigten die Stunden gekürzt. Vor ein paar Tagen hieß es, dass sie in den nächsten 2 Wochen nicht arbeitenkommen sollen. Und da ist die Stimmung schon ein bisschen gekippt.

Als wir gemerkt haben, dass unsere ganzen Benefits, für die wir unsere Arbeit gerne gemacht haben, weggenommen werden, haben wir beschlossen, dass wir einen Betriebsrat gründen wollen. Jetzt geht das nicht mehr.

Ihr standet von heute auf morgen vor verschlossenen Türen…

Ja, am 7. Mai war es dann so, dass morgens die ersten Leute ins Büro kommen wollten. Ein „Human Resources“-Manager aus dem Hauptbüro in Frankfurt hat die Schlüssel vor Ort eingesammelt und uns nicht mehr ins Büro gelassen hat. Wir wurden nicht direkt verwiesen, aber was macht man auch in so einer Situation? Wir saßen dann da seit 7 Uhr.

Dann kam die ver.di. Die haben mit uns gefordert, dass wir wenigstens unsere persönlichen Gegenstände (u. a. Medikamente) vom Arbeitsplatz holen dürfen. Da war die Geschäftsführung nicht begeistert von, und die Polizei musste anrücken und durchsetzen, dass wir ein Anrecht auf unsere Privatgegenstände haben.

An dem Tag wurde uns mitgeteilt, dass der Standort geschlossen ist und wir bis auf Weiteres freigestellt sind. Eine schriftliche Freistellung wollten sie uns aber nicht geben.

Warum denkst du, lief die Schließung so hektisch ab?

Die Geschäftsleitung sagt, dass „betriebliche und wirtschaftliche Gründe“ hinter der Schließung stehen. Man kann natürlich nicht beweisen, dass es einen Zusammenhang gibt, aber die zeitliche Nähe dazu, dass wir einen Betriebsrat gründen wollten, ist offensichtlich und ein bisschen suspekt.

Wie habt ihr als Belegschaft auf das Ganze reagiert?

Was ich total toll fand, ist, wie krass wir zusammengehalten haben. Wir haben beschlossen, das Ganze als Team anzugehen.

Wir haben uns mit Gewerkschaften auseinandergesetzt, verschiedene Organisationen, Parteien und die Presse kontaktiert. Ich glaube, dass das Wichtigste, was man in der Situation tun kann, ist, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Das haben wir als Team super gut geschafft. Wir haben alle zusammen dahintergestanden und sind im ständigen Austausch untereinander.

Mittlerweile haben, wie auch bereits in der Presse berichtet wurde, Einzelgespräche stattgefunden, in denen uns die Kündigung überreicht wurde, aber auch eine Abfindung und Gehaltsvorzahlungen angeboten wurden. Dass die so auf uns zugekommen sind, liegt daran, wie wir die Öffentlichkeit genutzt haben. Wir haben versucht, laut zu werden und uns Gehör zu verschaffen. Der Reputationsverlust ist für eine milliardenschwere Firma viel gravierender, als einfach siebzig Leuten eine Abfindung zu zahlen. Wenn man das hochrechnet, sind das für die wahrscheinlich Peanuts.

Wie bewertest du den Ausgang?

Auf der einen Seite ist das natürlich trotzdem kein Erfolg, weil ich meinen Job verloren habe, aber für die Situation war es vermutlich der beste Ausgang. Ein Job wäre mir, und ich denke, vielen meiner Kolleg*innen auch, tatsächlich lieber gewesen.

So ein Job ist wichtig für die Zukunftsplanung. So etwas nicht mehr in der Hand zu haben, macht einem Angst. Wir haben viele, die auf flexible Jobs angewiesen sind und so einen Arbeitsplatz nicht sofort finden werden. Es braucht Jobs für Menschen, deren Ausbildung nicht anerkannt wird. Es braucht Jobs für Studierende, die Flexibilität benötigen. So ein Arbeitgeber war es tatsächlich, aber den nochmal zu finden, ist fast unmöglich.

Wie reiht sich euer Fall in die generellen Angriffe auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen ein?

Dass gute und flexible Jobs gekündigt werden, passt total in das momentane gesellschaftliche Klima. Dass genau die, die es sowieso schon schwer genug haben, solche Stellen verlieren, ist eigentlich unmöglich.

Es kann nicht sein, dass diese vier Tage, in denen wir auf Abfindung und Kündigung warten mussten, für uns so schwierig sein mussten. Es braucht eine Gesetzesgrundlage, in der Arbeiter*innen nicht diese Angst erleben müssen. Sie müssen wissen, dass sie vom Sozialstaat abgefangen werden und nicht hilflos sind!

Meine Lehre aus dieser Situation ist es, laut zu werden, sich zu solidarisieren, sich zusammenzuschließen, füreinander einzustehen und das auch gemeinsam zu tun.

Die ursprüngliche Solidaritätserklärung der Sol Mainz findet sich hier: https://solidaritaet.info/2026/05/privatbank-sperrt-angestellte-aus/