Nein zur Ausladung – und zum hilflosen Antifaschismus eines Staatsräsonlers
Sagen wir es gleich zu Beginn: Nein, wir sind nicht der Meinung, dass man „Danger Dan“ aus der Jubiläumssendung der „Anstalt“ hätte ausladen dürfen. Nein, wir sind nicht der Meinung, dass ein Intendant autoritär in eine Sendung hineinregieren und einer Redaktion vorschreiben darf, welche Studogäste genehm sind.
Von Steve Hollasky, Dresden
Aber wir sagen genauso deutlich: „Danger Dans“ Lied ist keine Hilfe im Kampf gegen Rechtsaußen. Es mag sein verteidigenswertes Recht sein, das Lied in den Öffentlich-Rechtlichen vorzutragen; zu sagen hat er der antifaschistischen Bewegung jedoch höchstens, wie man es nicht machen sollte.
Was ist passiert?
Zur Aufzeichnung ihrer 100. Sendung hatte das Satiremagazin „Die Anstalt“ den Sänger „Danger Dan“ eingeladen. Das Thema der Jubiläumsausgabe war am Titel „Antifanstalt“ leicht erkennbar. Hierfür, so scheinbar die Überzeugung der Redaktion, könnte der Sänger der „Antilopengang“ ein Lied beisteuern. „Keine Angst“, so der Plan, würde von ihm gesungen und von Igor Levitt auf dem Klavier begleitet werden. Danach sollte der Titel in einer Diskussion kritisch beleuchtet werden.
Die Verse lagen dem ZDF vor, nach der Darstellung des Sängers hatte der Justiziar des Senders keine Beanstandung, es schien alles klar. Doch dann schritt Norbert Himmler, Intendant des ZDF, ein und untersagte die Uraufführung.
Als Reaktion veröffentlichte „Danger Dan“ das Lied auf der Plattform youtube. Dort ist es in den letzten zwei Wochen 1,7 Millionen mal (Stand 13.08.2026) aufgerufen worden. Ungewollt dürfte Himmler also der Verbreitung des Lieds einen Schub verpasst haben.
Welche Reaktionen gab es?
Das Team der „Anstalt“ selbst protestierte gegen die Ausladung. Ebenso „Danger Dan“, der gegenüber dem „Spiegel“ gar von „Zensur“ und einem „furchtbaren Zeichen“ sprach. Auch Christoph Schmitz-Dethlefsen aus dem Bundesvorstand der „Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft“ (ver.di), kritisierte den Rauswurf in einer Presseerklärung: „Mit diesem Eingriff aus Angst vor möglicher Kritik an einer Satire-Sendung, deren Inhalte sorgfältig vorbereitet und geprüft worden sind, fällt Himmler seiner Redaktion und den beiden Künstlern in den Rücken.“
Was sagt „Keine Angst“?
„Danger Dans“ Lied will eine Art Werkzeugkasten im Kampf gegen Rechtsaußen darstellen, nur bleibt dieser weitgehend leer.
Dass AfD und Nazis eine Gefahr für Arbeiter*innen unabhängig von deren Herkunft, Religion, Sprache, Geschlecht oder Hautfarbe darstellen, ist wahr. Nur schafft es „Danger Dan“ im ganzen Lied nie zu differenzieren: Es gibt einen Unterschied zwischen der AfD und militant agierenden Neonazi-Gruppen. Zwar gibt es Kontakte und sogar Überschneidungen zwischen AfD und Neonazi-Gruppierungen, deckungsgleich werden sie damit nicht. Will man erfolgreich gegen die AfD, kämpfen muss man das anders tun, als wenn man gegen Nazis kämpft.
Das, was „Danger Dan“ vorschlägt, bleibt im Grunde bei der Empfehlung klandestin operierende Kleinstgruppen zu bilden, die Informationen über Nazis sammeln und Outing-Kampagnen beginnen, stehen: „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras – Nie ohne Handschuh, nie ‘nen Fingerabdruck hinterlassen“.
Dass das Outen von Nazis durchaus erfolgreich kann zeigen Beispiele der Vergangenheit – man denke an die Kampagne „Keine Brötchen für Manfred Rus“ (ein damals bekannter Nazi-Kader) von Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) in Köln. Nur waren diese Kampagnen immer als Massenkampagnen angelegt und nicht als Aktionen von Einzelnen. Vielen Faschist*innen ist es inzwischen zudem alles andere als unangenehm bekannt zu sein. Sie können auf der rechtspopulistischen AfD-Welle ein Stück mitschwimmen.
Zweifelsohne ist das Sammeln von Informationen über die immer mehr verzweigte und sich immer weiter vernetzende extreme Rechte sinnvoll und notwendig, ebenso das von „Danger Dan“ angeratene Schutzkonzept für eigene Veranstaltungen.
Doch wird man weder die AfD noch Nazis oder andere Rechtsextreme so stoppen können.
Es geht nicht um den Untergrundkampf von Einzelnen, sondern um massenweisen Widerstand. Für den entwirft „Keine Angst“ jedoch kein Konzept. Allein antirassistische Initiativen, die wichtig bleiben, von denen „Danger Dan“ aber im Grunde auch nicht singt, bringen nicht den Sieg.
Im Moment ist ein bedeutender Teil des Kampfs gegen AfD und Co. der Kampf gegen den Abbau unserer sozialen Rechte, den die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD gerade vornimmt.
Dieser Abbau schafft Wut. Wut, von dem mit der AfD eine Partei profitiert, die diesen Abbau noch weit konsequenter vorantreiben würde. Gerade im Kampf gegen diese Verschlechterungen bestünde die Chance die Arbeiter*innenklasse über alle angeblichen Spaltungslinien hinweg zu organisieren. Das würde allen deutlich vor Augen führen wie ähnlich die Sorgen sind, die Arbeiter*innen teilen.
Der Kampf gegen Rassismus sollte zudem immer auch ein Kampf für Verbesserungen sein. Es geht längst nicht mehr allein um den Kampf gegen rassistische Spaltung, sondern um den Kampf für eine Welt, in der wir alle über den Reichtum, den wir täglich erwirtschaften, demokratisch und zum Nutzen aller entscheiden.
Leider thematisiert „Danger Dan“ all das in seinem Lied „Keine Angst“ nicht.
Ist „Danger Dan“ der richtige für die Empfehlungen?
Spätestens mit dem Lied „Oktober in Europa“ haben sich „Danger Dan“ und die „Antilopengang“ selbst diskreditiert.
Sie wecken darin mit Versen wie „Damals war’n ganz schnell die Täter verschwunden – Heute sind die größten Antisemiten – Alle Antirassisten, gegen Hass und für Frieden“ ganz bewusst Assoziationen. „Damals“ – 1945 – gelang es Nazis vor allem in der Bundesrepublik abzutauchen oder – ganz öffentlich – wieder in hohe Positionen aufzusteigen. Und so übt sich die Antilopengang in einer infamen Gleichsetzung der Gegner*innen des Massakers in Gaza mit den Täter*innen des NS-Regimes.
Es war keine Überraschung, dass die Springer-Presse, inklusive der Bild-Zeitung, das Lied triumphal rezensierte, weil es eine angebliche linke Doppelmoral aufdecke. Die Band „K.I.Z.“ kritisierte es hingegen hart, inklusive des Applauses von der falschen Seite.
Genutzt hat all das „Danger Dan“ nicht. Aus dem ZDF wurde er trotzdem ausgeladen. Zugleich ist er aufgrund seiner lange bekannten antideutschen Haltung und spätestens seit dem Lied „Oktober in Europa“ ganz sicher nicht der richtige, um Antifaschist*innen Ratschläge zu erteilen.