Automobil-Aktionstag der IG Metall am 21.9.2026
Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ hat die IGM nach eigenen Angaben bundesweit 175.000 Beschäftigte für 280 Aktionen bei Autokonzernen und Zulieferern mobilisiert. In Baden-Württemberg waren es 30.000 bei Mercedes, Porsche, Audi, Bosch, Mahle und Daimler-Truck. Die Aktionen fanden statt als Betriebsratssprechstunde, Betriebsversammlung, aktive Mittagspause, Kundgebungen vor Werkstoren, Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen.
Von Ursel Beck, IGM-Mitglied und aktiv im Metallertreff Stuttgart
Vor der Mercedes-Zentrale in Untertürkheim versammelten sich um 13.30 Uhr um die 5.000 Kolleginnen und Kollegen aus allen Werksteilen zu einer Betriebsversammlung. Die Belegschaft aus dem Werk Untertürkheim marschierte hinter dem Banner mit der Aufschrift „Ohne Streik wird sich nichts verändern“ aus dem Betrieb. Alle Redner aus dem Werk betonten, dass sie in den teilweise vierzig Jahren und mehr, seit sie im Betrieb sind, noch nie so einen harten Angriff erlebt hätten von seiten der Konzernleitung, wie aktuell. Der Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Michael Häberle erklärte, dass die Geschäftsführung ständig davon rede, dass die Kolleg*innen zu teuer, zu faul, zu oft krank, nicht wettbewerbsfähig wären. Mercedes wolle noch mehr Produktion ins Ausland verlagern. So soll das Motorenwerk in Bad Cannstatt geschlossen und in die USA verlagert werden. Zusätzlich fordert das Mercedes-Management die 40-Stunden-Woch ohne Lohnausgleich, die Streichung des Urlaubs-, Weihnachts- und T-Gelds (tarifliche jährliche Einmalzahlung).
Erpressung
Bereits an dieser Stelle gab es „Ola-Raus“-Rufe, die sich oft wiederholten während der Versammlung. Es gehe auch nicht mehr um vorübergehende Opfer, sondern um „dauerhafte Einschnitte in tarifliche Leistungen, so der Betriebsratsvorsitzende. „Auch wenn wir das alles schlucken, gäbe es an allen deutschen Standorten einen deutlichen Abbau von Produktionskapazitäten. Und wenn wir es nicht akzeptieren, werden ganze Produktionsstandorte geschlossen.“ Die Kapazitäten in Osteuropa würden deutlich erhöht und es gebe keine Investitionen mehr in Deutschland. Das sei die Ansage.
Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, Liane Papaioannou, betonte, dass die 35-Stunden-Woche den Unternehmern seit der Einführung 1995 ein Dorn im Auge sei. Sie bezeichnete die Drohung von Mercedes, dass ohne Zugeständnisse der Beschäftigten am Ende auch dieses Werk bedroht sei, als Erpressung. Sie wies auch darauf hin, dass Arbeitsplatzvernichtung und Sozialabbau zusammengehören, weil Arbeitslosigkeit Löcher in die Sozialkassen reißt.
Der Betriebsratsvorsitzende und die Bevollmächtigte der IG Metall erklärten allerdings ihre Bereitschaft einen „Beitrag zu leisten“ bzw. über „Veränderungen zu sprechen“ wenn es dafür eine „Gegenleistung“ bzw. „verbindliche Zukunft“ gebe. Dagegen betonten Miguel Revilla (Vertrauenskörperleiter im Werk Untertürkheim) und Michael Clauss (stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Werk Untertürkheim) die Notwendigkeit zum Kampf und zum Streik: „Wir sind viele und kampfbereit. Wenn es sein muss, auch streikbereit!“ Dafür gab es große Zustimmung.
Streikbereit und kampferfahren
Er erklärte auch, dass die Belegschaft kampferfahren sei und nannte Beispiele wie den Kampf gegen die Schließung der Gießerei in Mettingen, den Streik für die Verteidigung der Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall 1996 und den Kampf gegen die Erpressung 2004 mit dem Marsch auf der B 10. Auch er wies darauf hin, dass nicht nur der Vorstand uns angreift, sondern auch die Bundesregierung.
„Wenn die da oben den Klassenkampf ausrufen, können sie ihn haben, wir sind bereit“.
Michael Clauss erklärte, dass die Zahl der Milliardäre immer größer wird und ihr Vermögen inzwischen bei 1,4 Billionen Euro liege. „Die haben immer mehr, trotz Krise. Wir müssen aufwachen“. Und weiter: „Wir haben es mit einem Generalangriff zu tun, der mit einer Generalmobilimachung der Gewerkschaften und einem Generalstreik beantwortet werden muss“.
35h-Woche – rote Linie
In Bezug auf die 35-Stunden-Woche erklärte Michael Clauss wie zuvor Miguell Revilla, dass sie 1985 nur deshalb bei Daimler eingestellt wurden, weil Arbeitszeitverkürzung erstreikt worden war. „Viele hier auf dem Platz wären gar nicht hier ohne 35-Stunden-Woche“. Deshalb müsse man die 35-Stunden-Woche verteidigen. Er sagte auch, dass die Arbeitszeitverkürzung von uns Beschäftigten bezahlt wurde, durch geringere Lohnerhöhungen in der Zeit. Auch die Jugendvertreterin Sila Yalcin konzentrierte sich in ihrer Rede auf die Verteidigung der 35-Stunde-Woche. Die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich wäre ein Lohnverlust von 12,5 Prozent und würde allein im Werk Untertürkheim 2.000 Arbeitsplätze und viele Ausbildungsplätze kosten. Die 35-Stunde-Woche wäre eine „rote Linie“. „Die lassen wir uns nicht nehmen.” Die Jugendvertretung hatte ein Transparent mit der Aufschrift „40 Stunden für uns – Millionen für Euch. Ohne uns“
Am Montag, 28.9. findet in der Schleyerhalle eine Betriebsversammlung mit Ola Källenius statt. Die Halle fasst 15.000 Menschen. Michael Clauss hat bei der Kundgebung alle Kolleginnen und Kollegen aufgefordert mit dafür zu sorgen, dass „die Halle aus allen Nähten platzt“. „Källenius soll Euch selber sagen, was er von Euch will“. Bei der Betriebsversammlung soll es auch eine Aussprache geben und es wurde aufgefordert sich zu äußern.
Alle Redner:innen riefen in ihren Reden auch eindringlich dazu auf, am Samstag an der DGB-Demo teilzunehmen. Dafür wurden von der IGM auch Flyer verteilt.
Stuttgarter Sol-Mitglieder verteilten bei der Kundgebung ein Sol-Flugblatt zur Krise der Autoindustrie mit einer sozialistischen Antwort sowie einen Flyer mit dem Beschluss des Landesparteitags der Linken Baden-Württemberg im Oktober, an deren Formulierung und Einbringung sie beteiligt waren. Außerdem halfen sie bei der Verteilung der „aktionszeitung für eine Verkehrsindustrie mit Zukunft“ und der Einladung für den nächsten Metallertreff, ein monatlicher Treff von kämpferischen Kollegen und Kollegen. Das nächste Treffen findet am Montag, 5.10. um 18.30 Uhr in den Räumen von DIDF, Marktstr. 61 A in Bad Cannstatt statt.
Die Sol lädt zu einer bundesweiten zoom-Veranstaltung am Donnerstag, 30.9. ein um 19.00 Uhr zum Thema „Vom Protest zum Widerstand – wie weiter gegen Sozialkürzungen und Jobkahlschlag
Die Sol-Stuttgart lädt ein zu einer Veranstaltung am Dienstag, 6.10. um 19.00 Uhr zum Thema “Gegen Sozial- und Jobkahlschlag, gegen Kapitalismus”
Ort: in den Räumen des Friedensnetzwerk, Spreuergasse 45/Eingang Finstermünzgasse.