VW: Schluss mit dem Co-Management

IG Metall
Frank Vincentz, Witten, CC BY-SA 3.0

Für konsequenten Kampf gegen Job-Kahlschlag!

Die skandalöse Zustimmung der Arbeitnehmer*innenvertretung im Aufsichtsrat zu den massiven Abbau- und Sparplänen bei VW reiht sich ein in die Politik des Co-Managements von Betriebsrat und IG Metall-Führung.

Von Angelika Teweleit, Berlin

Schon vor zwei Jahren hatte die IG Metall und der Betriebsrat nach langen Verhandlungen und ein paar Warnstreiks dem Verzicht sowie dem Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen zugestimmt. (siehe: https://solidaritaet.info/2025/01/weihnachtswunder-bei-vw/).

Thorsten Donnermeier, IG Metall-Vertrauensmann bei VW Kassel* erklärt dazu: „ Erinnern wir uns an den Tarifabschluss 2024: Bonuszahlung ausgesetzt, Urlaubsgeld weg. Die Entgelttabelle soll 6 nach unten rasiert werden. Wir wurden nicht gefragt. Keine zwei Jahre ist her und jetzt stehen wir wieder da. Seitdem die Tinte 2024 unter dem Tarifvertrag trocken ist, heißt es wieder wir seien nicht wettbewerbsfähig, hier fehlten noch ein paar Milliarden und da noch ein paar Millionen. Dass wir jetzt schon wieder hier stehen, heißt: Wir können den Verträgen und dem Management nicht trauen. “

Er sieht, wie eine aktuell zunehmende Zahl von Kolleg*innen, die Notwendigkeit, dass die IG Metall stattdessen den Kampf konsequent organisieren müsste. Schon damals hatte es nach der einseitigen Kündigung der Beschäftigungssicherungsvertrag durch den Vorstand und die erste Ankündigung des Abbaus von 50.000 Stellen keine konsequente Gegenwehr gegeben. Allenfalls wurden Warnstreiks von maximal vier Stunden durchgeführt. Wenn die Kampfkraft der zu etwa 90 Prozent in der IG Metall organisierten Kolleg*innen schon damals nicht ausgeschöpft wurde, so wurde diesmal bisher überhaupt nicht mobilisiert. Zum bevorstehenden bundesweiten Aktionstag der IG Metall in der Autoindustrie am 21.9. sollen die VW-Kolleg*innen nur eine Stunde ausstempeln und vor das Tor gehen. Nach der vollständigen Kapitulation ohne Konsultation der betroffenen Belegschaft ist die Frage, inwieweit diesem Aufruf gefolgt wird.

Organisieren statt austreten

Es wäre nicht verwunderlich, wenn jetzt viele Kolleg*innen aus Wut und Frust ihre Mitgliedskarte in den Müll werfen. Das wäre allerdings der falsche Schritt. Stattdessen müssen nun alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, die Gewerkschaft zu einer Kampforganisation zu machen, inklusive des Austauschs der Spitzenfunktionär*innen, die mit nicht genau bezifferten Gehältern offensichtlich den Bezug zu den Nöten der Kolleg*innen an der Basis komplett verloren haben.

Es gibt erste Ansätze für eine klassenkämpferische Vernetzung, wie die von IG Metall-Vertrauensleuten bei Mercedes, VW und anderen, die sagen: „Wir stellen uns dem geplanten Stellenabbau entgegen und lehnen jede weitere Kürzung ab. Wir engagieren uns in unserer Gewerkschaft und verlangen so bald wie möglich, Demonstrationen gegen die Gier der Bosse, gegen die Regierung und für eine bessere Zukunft zu organisieren. Bis hin zum Streik. Und wenn die Gewerkschaftsspitzen sich zieren, dann machen wir das selbst.“(siehe:https://solidaritaet.info/2026/08/schluss-jetzt-protest-widerstand-streik-2/).

Vernetzung von kämpferischen Kolleg*innen

Es muss jetzt klar werden: die Zustimmung im Aufsichtsrat durch die IG Metall-Vertreter*innen zu diesem Kahlschlag bedeutet nicht Zustimmung der Masse der Kolleg*innen. Wenn die jetzige IG Metallführung den Kampf gegen diesen „Wahnsinn“, wie Daniela Cavallo die Pläne Oliver Blumes noch vor einigen Tagen bezeichnete, nicht führen will, dann müssen Kolleg*innen sich selbst organisieren und Widerstand von unten aufbauen. Das gilt für VW und die gesamte Autoindustrie.

Denn das, was hier bei VW gemacht wird, ist ein Exempel, was in anderen Betrieben nachvollzogen werden soll. Und es macht klar, dass die jetzige IG Metallführung auch in der Metall-Tarifrunde schnell bereit sein wird, kampflos einem faulen Kompromiss und gegebenenfalls Verzicht zuzustimmen, anstatt sie zu nutzen, um den Kampf gegen Arbeitsplatzabbau und Lohnverzicht offensiv zu führen. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, eine systematische Vernetzung von kämpferischen Kolleg*innen an der Basis aufzubauen. Ein bundesweites Aktiventreffen von kämpferischen IG Metaller*innen noch vor der IG Metalltarifrunde im November, zu dem möglichst breit mobilisiert wird,  wäre ein wichtiger Schritt nach vorn. Dies könnte auch in Verbindung mit dem sich Bildung befindlichen gewerkschaftlichen Ratschlag von kämpferischen Kolleg*innen aus verschiedenen DGB-Gewerkschaften angegangen werden.

Selbstorganisation

Um den Kampf gegen die Folgen des Beschlusses zu führen, ist es nötig, dass sich Kolleg*innen in den VW-Werken an der Basis austauschen, Strategien beraten und Kampfschritte beschließen. Kolleg*innen sollten ihr Recht nutzen, gemeinsam zum Betriebsrat zu gehen und dort Informationen zu ihren Fragen einzufordern. Sie sollten beim Betriebsrat ihren Ärger deutlich kundtun, dass diesem Kahlschlag zugestimmt wurde. Sie sollten eine Betriebsversammlung mit unbegrenzter Diskussion einfordern, um über den Sparbeschluss zu diskutieren sowie über die Möglichkeiten von Gegenwehr. Über die Vertrauensleute sollte Druck aufgebaut werden, dass am IG Metallaktionstag als Protest gegen den geplanten Stellenabbau und die weiteren Kürzungspläne nicht nur eine Stunde ausgestempelt wird, sondern die Produktion über alle Schichten zum Erliegen kommt – gegebenenfalls durch eine ganztägige Betriebsversammlung, die bei weiterem Diskussionsbedarf am nächsten Tag weiter geführt wird. Wenn IG Metall und Betriebsrat das blockieren, ist es nötig, über mögliche Aktionen von unten, an der IG Metallführung vorbei zu beraten und sich von unten zu organisieren, so wie beispielsweise Kolleg*innen bei Opel Bochum 2004 den Kampf unabhängig von den offiziellen Strukturen begannen. Damals organisierte die Arbeiter*innenschaft mit Hilfe von Aktionskomitees und außerordentlichen Betriebsversammlungen selbstständig Streiks. Unmittelbar könnten sich Kolleg*innen um Forderungen sammeln wie:

– Nein zum Beschluss des VW-Aufsichtsrates

– Schluss mit Sozialpartnerschaft, Standortlogik und dem Wettlauf nach unten

– Nein zum Stellenabbau

– Nein zu Werkschließungen auf Raten

– Nein zu Ausgründungen

– Verteilung der Arbeit auf alle – drastische Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich

– Offenlegung der Geschäftsbücher

Gegen die Versuche, die Beschäftigten in den verschiedenen Standorten bundesweit wie international gegeneinander auszuspielen braucht es gemeinsamen Kampf und Solidarität. Die Gewerkschaften müssen auch international an einem Strang ziehen, um den Widerstand zu koordinieren.

Zukunftsplan

Darüber hinaus ist es natürlich wichtig, eigene Ideen zu haben, wie der Stellenabbau verhindert werden kann. Dabei darf man nicht in den Grenzen der kapitalistischen Profitlogik bleiben. Denn diese bedeutet immer, dass die Beschäftigten die Leidtragenden sind. Doch sie sind es, die überhaupt die Werte erschaffen haben. Als erstes sollte die Offenlegung aller Geschäftsbücher gefordert werden. Es muss – entgegen der absurden Forderung von Autobossen, die Arbeitszeiten angesichts von Arbeitsplatzabbau zu erhöhen – die Forderung nach Verteilung der vorhandenen Arbeit auf alle, also eine drastische Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn, aufgestellt werden.

Bosse entlassen, nicht die Beschäftigten

Der gesamte Kürzungsplan, mit dem zehntausende Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren, ist auf die Interessen von einigen wenigen Großaktionären abgestimmt. Warum sollten die Kolleg*innen für die weitere Bereicherung von Milliardär*innen ihre Zukunft opfern? Stattdessen sollte die IG Metall ihre eigene Satzung ernst nehmen, in der das Ziel der Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien verankert ist. Es ist nötig, ein Programm zu entwickeln, was über die Sachzwänge und Grenzen von Profitlogik, Konkurrenz und kapitalistischem Wahnsinn hinausgeht. Die Antwort auf die Forderungen von Porsche/Piech sollte lauten: Wer 100.000 Stellen abbauen will, gehört enteignet! Dann muss VW komplett in öffentliches Eigentum überführt werden.

Demokratische Kontrolle und Verwaltung

Die Kolleg*innen haben das Know-How, um Pläne für sinnvolle Produkte zu entwickeln und umzusetzen. Anstatt Rüstungskonversionspläne mitzumachen auf die Produktion von Drohnen, Panzer und Kampffahrzeuge zu setzen, gäbe es einen riesigen Bedarf für die Verbesserung der Lebensqualität für die Masse der Menschen. Für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs Züge, Straßenbahnen, Busse, zum Energiesparen und für die Vermeidung von Hitzetoten Wärmepumpen und Kühlsysteme und vieles mehr. Wenn die Betriebe in öffentlichem Eigentum und unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bevölkerung in gewählten Gremien geführt wurden, könnte die Zielsetzung eine andere als die der Profitmaximierung sein. Arbeitsbedingungen könnten massiv verbessert werden und gleichzeitig  Produkte hergestellt werden, die im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung und klimagerecht wären. Dies würde die Notwendigkeit einer allgemeinen demokratischen Wirtschaftsplanung auf Grundlage einer sozialistischen Demokratie deutlich machen. Diese Forderungen wären eine Grundlage für einen zielgerichteten Kampf zum Erhalt von Arbeitsplätzen und eine sinnvolle Umstellung der Produktion:

– Porsche/Piech enteignen

– Übernahme von VW in öffentliches Eigentum

– Demokratische Kontrolle und Verwaltung der Betriebe/ der Produktion durch demokratisch gewählte Vertretungen aus Belegschaften und arbeitender Bevölkerung

– Umstellung der Produktion auf gesellschaftlich sinnvolle Produkte wie Busse, Bahnen, Wärmepumpen etc. anstatt Rüstungsproduktion

Wenn ihr auch wütend seid und kämpfen wollt, meldet euch!

* Funktionsbezeichnung dient nur zur Kenntlichmachung der Person