2025: Der Niedergang des Kapitalismus setzt sich fort …

… der Widerstand gegen ihn auch

Was für ein Jahr! 2025 war voller dramatischer Ereignisse, die sowohl die fortgesetzte multiple Krise des kapitalistischen Systems und ihre für die Weltbevölkerung katastrophalen Folgen zum Ausdruck brachten, als auch die nicht zu stoppenden Versuche der Massen, ihre Lebensumstände zu verbessern und dafür zu kämpfen.

Kriege und Krisen, Massenaufstände und Streiks, Wahlerfolge von Rechtspopulist*innen, Bildung neuer bzw. Wiederbelebung schon bestehender linker Kräfte – das Pendel der gesellschaftlichen Entwicklung schlägt heftig in beide Richtungen aus. Polarisierung ist der Begriff, der die Lage am besten beschreibt. Das drückt vor allem aus, dass der Kapitalismus und seine traditionellen Vertreter*innen nicht in der Lage sind, stabile Verhältnisse zu erreichen.

Von Sascha Staničić, Sol-Bundessprecher

2025 war weltweit von der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps in den USA geprägt. Dadurch wurden die sich ohnehin massiv verändernden internationalen Kräfteverhältnisse weiter durcheinander gewirbelt. Der grundlegende Prozess setzt sich fort: die relative Schwächung des US-Imperialismus und die relative Stärkung des chinesischen Staatskapitalismus besonderer Prägung. Trump versucht dieser Entwicklung mit einer Neuausrichtung der US-Außenpolitik zu begegnen, wie das auch in der im Dezember veröffentlichten neuen Sicherheitsstrategie seiner Administration deutlich wurde: Kampf gegen die liberalen Demokratien in Europa, Rückzug aus der Unterstützung der Ukraine, Russland aus dem Bündnis mit China herausbrechen, Lateinamerika wieder unter Kontrolle bringen, durch Zollerhöhungen und andere Maßnahmen Wirtschaftsprotektionismus betreiben. Das Hin und Her von Trumps Äußerungen und Maßnahmen, zum Beispiel hinsichtlich der Ukraine, des so genannten Nahostkonflikts oder seiner Zollmaßnahmen, darf dabei nicht von dem generellen Trend ablenken. Das Ergebnis ist, dass die Welt ein unsicherer Ort wird und militärische Konflikte zunehmen, wie wir das 2025 in den Grenzkonflikten zwischen Kambodscha und Thailand bzw. Indien und Pakistan, aber auch in den Angriffen der USA auf Venezuela oder den Militärmanövern Chinas vor der Küste Taiwans gesehen haben. Noch nie lebten so viele Kinder in Kriegs- und Krisengebieten wie im Jahr 2025 …

Gaza

Darüber dürfen auch die (brüchige) Waffenruhe in Gaza und die Bemühungen um einen Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine nicht hinwegtäuschen. Jeder Krieg findet irgendwann ein Ende, in der Regel wenn entweder Kriegsziele erreicht wurden oder die verschiedenen Kriegsparteien erschöpft sind und keine Aussicht auf einen Sieg haben (oder wenn revolutionäre Massenaufstände dem Krieg ein Ende machen, wie das in Bezug auf den Ersten Weltkrieg der Fall war). Hinsichtlich der Waffenruhe im Nahen Osten gab es zwei entscheidende Faktoren: die israelische Regierung war mit ihrem Angriff auf Hamas-Vertreter in Katar aus Sicht des US-Imperialismus zu weit gegangen, denn dieses Vorgehen drohte einen Flächenbrand auszulösen. Zweitens waren die Massenstreiks der Arbeiter*innenklasse in Italien in Solidarität mit den Palästinenser*innen und weitere Massenproteste ein Warnsignal für die Herrschenden. Die Stimmung drohte qualitativ zu kippen, was auch die Interessen der Kapitalist*innenklasse in den westlichen imperialistischen Ländern gefährdete. Doch so groß die Erleichterung auch darüber sein mag, dass zumindest die Intensität der israelischen Angriffe nachgelassen hat (trotz der Waffenruhe gibt es tägliche Angriffe und hunderte getötete Palästinenser*innen): für die Palästinenser*innen gibt es keine Aussicht auf einen nachhaltigen Frieden, Selbstbestimmung und ein Leben in Würde, Sicherheit und Wohlstand. Der so genannte Friedensplan von Trump ist ein Kolonialisierungsplan.

“Polonaise” – Bild des Aachener sozialistischen Künstlers Norbert Lütz (www.luetzkunst.de)

Ukraine

In Bezug auf die Ukraine endet das Jahr mit intensiven diplomatischen Aktivitäten. Trump agiert dabei wie ein Dompteur, der mal dem einen, mal dem anderen Raubtier eins mit der Peitsche verpasst. Das Ringen um die Ukraine zeigt, wie sehr sich das transatlantische Verhältnis zwischen den USA und den europäischen Mächten verändert hat. Diese werden von Trump nicht mehr eingebunden und finden sich am Katzentisch wieder. Trump will diesen Krieg beenden, weil er sich um aus seiner Sicht wichtigere Dinge kümmern möchte: China und Lateinamerika. Er ist bereit, Putin entgegenzukommen, in der Hoffnung, diesen somit etwas aus dem Orbit Chinas herausholen zu können. Das ukrainische Volk spielt keine Rolle in den Überlegungen des US-Präsidenten. Putin seinerseits ist militärisch in der stärkeren Position und kann es sich leisten, Maximalforderungen zu stellen und auf Zeit zu spielen. Trotzdem spricht viel dafür, dass es zu einem Abkommen kommen wird, aus dem Russland gestärkt hervorgehen wird und das wahrscheinlich Grenzverschiebungen als Folge eines Angriffskriegs zur Folge haben wird.

Militarisierung

Diese neue Weltlage und die sich verändernden Kräfteverhältnisse, also die Entwicklung einer multipolaren Welt(un)ordnung, haben eine Aufrüstungs- und Militarisierungsoffensive der Herrschenden ausgelöst, wie es sie seit den Hochzeiten des Kalten Kriegs nicht mehr gab. Die Bevölkerungen sollen wieder an Kriege gewöhnt, die Gesellschaften „kriegstüchtig“ gemacht werden. Rüstungsausgaben steigen global und alle Bereiche der Gesellschaft werden auf die Möglichkeit eines Kriegs vorbereitet, darunter auch das Gesundheits- und Bildungswesen. Das vom Bundestag verabschiedete Wehrdienstgesetz stellt einen Schritt in Richtung der Wiedereinführung einer Wehrpflicht dar – zurecht streikten am 5. Dezember bundesweit 55.000 Schülerinnen und Schüler in neunzig Städten dagegen. Das kann der Beginn einer neuen, antimilitaristischen Jugendbewegung sein. Sol-Mitglieder haben sich in vielen Städten an diesen Protesten beteiligt und mit dazu aufgerufen. Für März 2026 ist ein nächster Schulstreik gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht geplant, zu dem wir wieder mit aufrufen und mobilisieren werden. 

Weltwirtschaft

Über allem schwebt die krisenhafte Situation der Weltwirtschaft. Zum Jahresende nahmen die Äußerungen von bürgerlichen Wirtschaftsexpert*innen und Kommentator*innen zu, die vor einem Platzen der KI-Blase und einem möglichen Crash an den Finanzmärkten warnten. Wir haben seit der Großen Rezession von 2007 bis 2009 immer darauf hingewiesen, dass die Widersprüche, die zu dieser Krise geführt hatten, nicht gelöst wurden, sondern sich im Gegenteil weiter verschärft haben: Blasenbildung an den Finanzmärkten, enorme Verschuldung, industrielle Überkapazitäten etc. 

Tatsächlich ist ein Crash der Weltwirtschaft im Jahr 2026 möglich. Ein solcher würde eine instabilere Welt treffen, die weder ökonomisch noch politisch die Voraussetzungen hätte, in einer ähnlichen Art und Weise zu reagieren, wie auf den Finanzcrash 2007/08 reagiert wurde. Das spricht dafür, dass die ökonomischen und politischen Folgen ungleich größer sein können – und die Folgen der damaligen Krise in den Schatten stellen könnten. Dazu gehörten die als „Arabischer Frühling“ in die Geschichte eingegangenen Revolutionen in Nordafrika, die Euro-Krise und die damit einhergehenden Massenbewegungen in Südeuropa und europaweiten Streiks, die Gründung bzw. der Aufstieg linker Kräfte wie Podemos im Spanischen Staat und Syriza in Griechenland, ebenso wie die Stärkung rechtspopulistischer Kräfte (nicht zuletzt durch das Versagen der linken Parteien). 

Arbeitsplatzabbau

In Deutschland war 2025 das dritte Rezessions- bzw. Stagnationsjahr in Folge und der massive Arbeitsplatzabbau in der Industrie ging und geht weiter. Zum Jahresende erklärte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, es gebe keine Berufsgruppe, die vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sicher sei. Gleichzeitig seien die Chancen für Erwerbslose auf eine neue Arbeitsstelle auf einem historischen Tiefstand und auch die Zahl der vermittelten Ausbildungsplätze so niedrig wie seit 25 Jahren nicht. Der Arbeitsplatzabbau in Großunternehmen schreitet voran, wie bei ThyssenKrupp, Ford oder Bosch. Bisher hat die IG Metall darauf nicht mit einer die verschiedenen betroffenen Belegschaften vereinenden Kampfstrategie reagiert, was dringend nötig wäre. Stattdessen stimmt die Gewerkschaftsführung vor Ort bei einer Reihe von Fällen zu, Betriebe durch eine Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter zu „retten“ statt deren Überführung in öffentliches Eigentum unter Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bevölkerung und einen Plan für gesellschaftlich sinnvolle und nötige Produkte zu fordern.

Neue Bundesregierung

2025 war auch das Jahr, in dem die Merz-Klingbeil-Regierung ins Amt kam, eine „Große Koalition“, die angesichts ihrer nur knappen Mehrheit im Bundestag diesen Namen nicht verdient. Der holprige Start dieser Regierung – Kanzler Merz wurde erst im zweiten Wahlgang gewählt – und die andauernden Konflikte und Abstimmungsprobleme (unter anderem zur Frage der „Reform“ des Bürgergelds, der Wahl der Bundesverfassungsrichter*innen, des Wehrdienstgesetzes und des Rentenpakets) zeigen, wie schwach die soziale Basis dieser Regierung ist und wie sehr die Sozialdemokratie über die Schulter schauen muss, aus Angst vor einem weiteren Niedergang in der Wähler*innengunst. 

Der angekündigte „Herbst der Reformen“ wurde daher auch nicht umgesetzt, was jedoch das Trommelfeuer von Forderungen zum Abbau von Sozialleistungen und Arbeiter*innenrechten zum Jahresende nur hat größer werden lassen. Der Druck der Kapitalist*innen auf die Regierung ist enorm und gleichzeitig schwebt über ihr das Damoklesschwert der stärker werdenden AfD und auch der Linken. Größere Haushaltskürzungen konnte die Regierung zwar ins Jahr 2027 verschieben, aber trotzdem ist der Druck des Kapitals enorm, die Profitbedingungen für die Banken und Konzerne zu verbessern, sprich die Lage der Arbeiter*innenklasse zu verschlechtern. Darauf müssen sich die Gewerkschaften und Die Linke für das Jahr 2026 vorbereiten. Die Drohung der Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Yasmin Fahimi, gegen eine unsoziale Kürzungspolitik auch das Mittel des Streiks einzusetzen, muss dann auch wahr gemacht werden – und zeigte, nebenbei bemerkt, dass politischer Streik in Deutschland nicht einfach „verboten“ ist, sondern dessen Durchsetzung eine Frage des Willens und der Konfliktbereitschaft der Gewerkschaftsführungen ist.

AfD 

Das sich fortsetzende Wachstum der AfD in Meinungsumfragen ist vor allem Ausdruck der wachsenden Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien, aber auch der Tatsache, dass die Partei Die Linke – trotz ihres Aufschwungs seit Anfang 2025 – wichtige Teile der Arbeiter*innenklasse und Mittelschichten bisher nicht erreicht. 

Als Friedrich Merz zum Jahresanfang 2025, noch vor den Neuwahlen, im Bundestag zusammen mit der AfD migrationsfeindliche Maßnahmen beschließen ließ, war der Aufschrei groß, dass nun die so genannte Brandmauer zur AfD eingerissen worden sei. Massenproteste in vielen Städten waren die Folge. Merz und die Union sind danach zurückgerudertund haben ihre Abgrenzung von der AfD gebetsmühlenartig beschworen, was die Zustimmungswerte zur AfD nicht beeinträchtigte. Tatsächlich besteht diese Brandmauer in vielen Kommunen schon lange nicht mehr und ist es nur eine Frage der Zeit, dass die AfD, beginnend wahrscheinlich in ostdeutschen Bundesländern, Teil von Landesregierungen wird. In Sachsen-Anhalt droht im Herbst 2026 sogar eine absolute Mehrheit der AfD im Landtag. Mit der Stärkung der AfD steht nicht der Faschismus vor der Tür, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie eine große Gefahr für die Arbeiter*innenklasse (denn sie vertritt radikal arbeiter*innenfeindliche Positionen) und für Frauen  und Minderheiten, insbesondere Migrant*innen, darstellt. Die AfD wird zwar stärker und konnte sowohl ihr Wähler*innenpotenzial vergrößern als auch eine gewisse Stammwähler*innenschaft entwickeln, trotzdem hat sie weiterhin mit 60.000 Mitgliedern weniger Mitglieder als Die Linke, Die Grünen und sogar die FDP. Sie war bisher auch nicht in der Lage annähernd so viele Menschen zu mobilisieren, wie bei Protesten gegen die Rechtspopulist*innen auf die Straße gegangen sind – ob bei den Massendemos nach der gemeinsamen Abstimmung von Union und AfD im Bundestag oder gegen denAfD-Parteitag in Riesa und die Gründung der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Gießen.

Die Linke 

Die Frage, wie die AfD zu bekämpfen ist, spielt innerhalb der Linkspartei eine wichtige Rolle und wird wahrscheinlich auch im Jahr 2026, gerade angesichts der zu erwartenden Wahlerfolge der Rechtspopulist*innen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, ein zentrales Thema sein. Der Co-Vorsitzende der Partei, Jan van Aken, erklärt kurz vor Jahresende schon, dass Die Linke – wie sie es schon in Thüringen und Sachsen getan hatte – auch CDU-geführte Minderheitsregierungen ins Amt bringen wird, um dadurch eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern. In Berlin hat die Führung des Landesverbands klar das Ziel einer Regierungsbildung mit SPD und Grünen im Blick. Dieser Ansatz einer so genannten „Volksfront“ aller (vermeintlich) demokratischen Parteien gegen die AfD (also auch der für die arbeiter*innenfeindliche Politik verantwortlichen pro-kapitalistischen Parteien SPD, Grüne, FDP und CDU/CSU) wird von der Führung der Linken und einer Mehrheit in der Partei verfolgt. Dies führt jedoch nicht zu einer Schwächung der AfD, sondern tendenziell zu ihrer Stärkung, weil sich Die Linke so als Teil des von Vielen zurecht verhassten Blocks der etablierten Parteien präsentiert, statt mit einer unabhängigen Position klare Kante zu zeigen. 

Der Wiederaufstieg der Linken, sowohl hinsichtlich des starken Wiedereinzugs in den Bundestag als auch der Verdopplung der Mitgliedschaft innerhalb eines Jahres, hat vielen Menschen Hoffnung gegeben und ist eine Bestätigung der These der Sol, dass wir es nicht mit einem einseitigen gesellschaftlichen Rechtsruck, sondern mit einer Polarisierung zu tun haben. Das war auch in den Jahren zuvor der Fall, wo sich diese jedoch nicht parteipolitisch nach links ausdrückte, aber in der Zunahme von Streiks und anderen Protesten. 2025 hat sich diese Polarisierung auch organisatorisch auf der Linken niedergeschlagen. Sol-Mitglieder hatten schon mit der Ausrufung von Neuwahlen ihre Mitarbeit in der Linken wieder verstärkt und das nach der Bundestagswahl weiter intensiviert. Wir haben aber auch davor gewarnt, dass ohne eine Aufarbeitung der Gründe für die Krise, in die die Partei geraten war, sich eine solche wiederholen werde. Leider wurden bisher nicht die nötigen Lehren gezogen und auch in 2025 viele der Fehler begangen, die in den Jahren zuvor zu einer Abwendung von vielen Wähler*innen und Unterstützer*innen von der Partei geführt hatten. Das gilt, obwohl die neue Parteiführung oftmals radikalere Töne anschlägt und sich das Projekt einer „sozialistischen Klassenpartei“ auf die Fahne geschrieben hat.

Doch die Liste der falschen Entscheidungen liest sich lang und unter vielen der neuen Mitglieder hat schon ein Desillusionierungsprozess eingesetzt und die Unzufriedenheit wächst: Merz wurde ermöglicht noch am gleichen Tag des verlorenen ersten Wahlgangs im zweiten Wahlgang zum Kanzler gewählt zu werden; im Bundesrat stimmen die Linke-Vertreter*innen aus den Landesregierungen Bremen und Mecklenburg-Vorpommern der Aufhebung der Schuldenbremse zur Aufrüstung und der Senkung der Körperschaftssteuer zu; in Bremen stimmt Die Linke als Teil des Senats Kürzungen genauso zu wie die Landtagsfraktion der Partei in Sachsen (wo nur der Abgeordnete Nam Duy Nguyen dagegen stimmte); beim Rentenpaket enthält sich die Bundestagsfraktion; in der Palästina-Solidarität gibt es ein Hin und Her: während der Bundesparteitag zwar in die richtige Richtung weisende Beschlüsse gefällt hat und die Partei zur größten palästinasolidarischen Demonstration in der Geschichte der Bundesrepublik am 27. September mit aufrief, entsolidarisierte sich der Parteivorstand immer wieder mit palästinasolidarischen Genoss*innen wie Ulrike Eifler und der linksjugend[‘solid] und wurde Ramsis Kilani aus der Partei ausgeschlossen und weitere Ausschlussverfahren angestrengt. Gerade Letzteres empört viele der neuen Mitglieder und hat dazu beigetragen, dass sich unter diesen eine kritischere Haltung entwickelt. Das bietet die Chance für die Parteilinke, ihren Einfluss in der Linkspartei auszuweiten und diese tatsächlich in Richtung einer sozialistischen Klassenpartei zu entwickeln. Sol-Mitglieder arbeiten dazu weiterhin in der Antikapitalistischen Linken (AKL) mit und unterstützen auch andere Ansätze für linke Vernetzungen innerhalb der Partei. Sol-Mitglieder haben innerhalb von Jugend für Sozialismus (JfS) auch den Vorschlag gemacht und dafür eine Mehrheit gewonnen, dass sich die JfS-Gruppen wieder der linksjugend[‘solid] anschließen.

Internationale Massenproteste 

International gab es 2025 mehr rechte als linke Wahlerfolge, aber auch hier schlug das Pendel in beide Richtungen aus (vor allem der Wahlsieg Zoran Mamdanis bei der Bürgermeisterwahl in New York City zeigte das Potenzial für die Unterstützung für linke Forderungen bei Wahlen) und vor allem gab es eine Welle von Massenbewegungen in der neokolonialen Welt (Marokko, Nepal, Indonesien und viele andere), der Türkei, Serbien, Bulgarien und gegen Trump in den USA und eine Welle von Streiks und Generalstreiks in Belgien, Italien, Portugal, Frankreich, Spanien, Griechenland und anderen europäischen Ländern. Mit der Gründung der Your Party von Jeremy Corbyn und Zarah Sultana in Großbritannien zeigte sich auch das Potenzial für neue sozialistische Arbeiter*innenparteien, wenn die führenden Kräfte der YP auch durch Machtkämpfe und Streit schon vor der Parteigründung viel von dem bestehenden Potenzial verspielt haben. 

Proteste in Deutschland

Auch in Deutschland gab es viele wichtige Proteste und Streiks, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in anderen Ländern. Neben den schon erwähnten Massendemonstrationen gegen die AfD und der Palästina-Solidaritätsbewegung gab es wichtige Streiks in den Tarifrunden bei Bund und Ländern (TVÖD), der Post, der Bahn, der Versicherungsbranche und wichtige lokale Streiks wie beim Charité Facility Management (CFM) und dem Döner-Hersteller Birtat. Sol-Mitglieder haben überall mit Vorschlägen und Solidarität in diese Streiks eingegriffen. Für 2026 steht unmittelbar die Tarifrunde der Länder und der Kampf um einen TV-Stud an, sowie in Berlin die Auseinandersetzung der Kolleg*innen der Vivantes-Tochterfirmen für die Übernahme des TVÖD.

Ebenso haben wir an örtlichen Kämpfen gegen kommunale Kürzungen, wie in Dresden und Berlin, teilgenommen und andere lokalen Proteste unterstützt, wie gegen Krankenhausschließungen in Hamburg und Köln oder gegen Kürzungen bei der Eingliederungshilfe in Hessen

Aufbau der Sol und des CWI geht voran

Sol-Mitglieder haben auch ihre Aktivitäten in Betrieben und Gewerkschaften intensiviert, insbesondere auch im Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di. Wir unterstützen auch andere Vernetzungen, wie das neue Netzwerk kämpferischer GEW-Mitglieder in Berlin, die Bahnvernetzung und die Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften (VKG). Wir haben auch an der 6. Konferenz für gewerkschaftliche Erneuerung der Rosa-Luxemburg-Stiftung teilgenommen, bei der in Berlin über dreitausend Gewerkschafter*innen zusammengekommen waren.

Die Sol und das Komitee für eine Arbeiter*inneninternationale konnten 2025 wichtige Fortschritte erzielen. Die Sol-Bundeskonferenz konnte im April neue Ortsgruppen in Hamburg, Kassel und Köln anerkennen, der CWI-Weltkongress, der im Sommer in Berlin stattfand, eine neue Sektion in Österreich. Seitdem konnte in Mainz eine zweite Ortsgruppe gebildet werden und finden regelmäßige Treffen von Sol-Mitgliedern und Interessierten in Leipzig und Eberswalde statt. Die Online-Ortsgruppe der Sol konnte sich trotz des Wegfalls der Mitglieder aus den neu gegründeten Ortsgruppen stabilisieren und es gibt Möglichkeiten für die Gewinnung neuer Mitglieder und den Aufbau von Gruppen in Nürnberg, Freiburg, Karlsruhe, Jena, Offenburg und weiteren Städten. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, soll ab Februar ein Mitglied für einige Monate eingestellt werden, das diese Orte besuchen wird und die Aufbau-Aktivitäten dort unterstützen wird. Dazu findet zur Zeit ein Spendenappell statt, um diese Stelle finanzieren zu können und auch um die internationale Arbeit des CWI zu unterstützen. International wurde im letzten Jahr die Arbeit in den Niederlanden und Rumänien aufgenommen und steht das CWI in Diskussion mit sozialistischen Gruppen und Organisationen in Israel/Palästina, Kasachstan und Schweden. Ein Teil der Sol-Aktivitäten waren auch 2025 internationale Solidaritätskampagnen, so zum Beispiel gegen Repression von CWI-Mitgliedern in Nigeria und den USA, sowie Solidarität mit verhafteten Mitgliedern der Arbeiter*innenpartei der Türkei (TIP).

2025 war aber auch das Jahr, in dem das CWI zwei seiner wichtigsten historischen Führungspersönlichkeiten verloren hat: Lynn Walsh und Peter Taaffe. Von beiden sind im Manifest-Verlag die Herausgabe von Schriften geplant. 

Der Manifest-Verlag konnte auch 2025 wichtige neue Publikationen veröffentlichen und eine stabilere finanzielle Basis erreichen. Dies gibt dem Verlag die Möglichkeit, in 2026 in Berlin-Kreuzberg einen Buchladen mit angeschlossenem Café zu eröffnen. Auch die Sol konnte ihre publizistische Tätigkeit auf hohem Niveau fortsetzen: mit über 400 auf der Webseite solidaritaet.info veröffentlichten Artikeln, mehr Veröffentlichungen in den sozialen Medien, verschiedenen Broschüren, der Herausgabe der Monatszeitung „Solidarität“, deren 250. Ausgabe im Dezember 2025 erschien und des zwei Mal jährlich erscheinenden Magazins „sozialismus heute“. 

Sozialismustage

Last but not least sind für den 3. bis 5. April 2026 erstmals seit 2021 wieder bundesweite Sozialismustage geplant. Nachdem wir in den letzten Jahren erfolgreich lokale Sozialismustage durchgeführt haben, werden wir nun auch wieder einen bundesweiten Kongress anbieten, zu dem über 350 Teilnehmer*innen erwartet werden. Dazu sind alle Leser*innen eingeladen – um mitzudiskutieren und aktiv zu werden im Kampf für eine sozialistische Veränderung der Gesellschaft!